Besuch aus Litauen
Im Thema: Kultur
von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 17.01.2011

von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 17.01.2011

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Eine sehr sympatische ältere, schon pensionierte Lehrerin erzählte uns diese Geschichte, die sie, als sie noch berufstätig war, also schon auch vor einiger Zeit, erlebt hatte:
"Sie haben uns mehr geschenkt als wir Ihnen." So lautete die Bilanz meiner Kolleginnen und Kollegen am Ende des 14tägigen Besuches zweier Lehrerinnen aus Litauen an unserer Schule. Sie waren gekommen, um bei uns Hilfe zu finden für den Aufbau eines demokratischen Schulsystems in ihrem Land.
Im Lehrerkollegium hatten wir uns gut auf den Besuch vorbereitet. Wir wollten, dass die Kolleginnen aus Litauen sich bei uns wohl fühlten, aber nicht von unserem Reichtum überrollt würden. Wir machten den Anfang bei uns selbst und verzichteten auf uns zustehende Sitzungsgelder, um damit Schulmaterial für die Litauer zu kaufen.
Auch die Schüler wollten wir einbeziehen. Wir schlugen ihnen die "Aktion Güterverteilung" vor: Jeder sollte zu Hause nachsehen, welche Schulsachen er doppelt hatte, und dann das Schönere für die Kinder aus Litauen mitbringen. Die Sache wurde ein Erfolg.
Die Schüler verschenkten ohne langes Nachdenken Bunt- und Filzstifte und vieles andere. Ein Kind brachte eine ungebrauchte Schachtel Wachsmalkreiden mit und sagte: "Die Stifte habe ich zum Geburtstag bekommen. Ich weiß, dass man Geschenke nicht weiterschenken soll. Aber diese Art des Weiterschenkens ist sicher gut."
Viele stellten selbst Geschenke her und schrieben Briefe dazu. Eine Gruppe bastelte ein Papierhaus, bei dem man die Fenster öffnen konnte. In jedem Fenster stand etwas, das sie den Lehrerinnen wünschten: Freude, Geduld, Verzeihen, Glück, Ausdauer...
In den beiden Wochen ihres Aufenthalts lernten die beiden Kolleginnen sehr viel über unser Schulsystem. Doch das war nicht das Wichtigste. Entscheidender war, dass wir Freundschaft schlossen. "Wenn wir nach Hause kommen, soll unsere Schule neu werden", sagte eine von ihnen zum Abschluss. "Eine neue Schule kann nur mit neuen Schülern entstehen. Dazu wollen wir unsere Schüler so behandeln, wie wir das hier bei Ihnen gesehen und erlebt haben. Mit diesem Wunsch kehren wir zurück."
Doch auch uns haben diese Tage nicht unverändert gelassen. Einer der Kollegen meinte: "Zum ersten Mal haben wir als ganzes Kollegium zusammengearbeitet." Und ein anderer: "Bei mir stand bisher ausschließlich nur das Materielle im Vordergrund. Jetzt habe ich neue Werte erfahren."
Kommentare









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