Dankbarkeit...
Im Thema: Alter & Rente
von: Maria S.
erstellt am: 23.02.2011

von: Maria S.
erstellt am: 23.02.2011

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.... gut, wenn man sie empfinden kann.
Ich bin sechsundfünfzig Jahre alt. Vor vier Jahren habe ich meine Arbeit aufgeben müssen, wurde krank und haderte mit meinem Schicksal. Ich war wütend... wütend, weil mir das Leben schwergemacht wurde. Ich bin nun seit eineinhalb Jahren Erwerbsminderungsrentnerin (was für ein langes Wort) und langsam gewöhne ich mich daran...Ich bin seit meiner viel zu frühen Geburt schon gehandycapt, mal wurde es mir mehr, mal weniger bewußt. Jetzt leide ich an Fibromyalgie, eine sehr schmerzhafte Art von Rheuma, ferner macht mir schwere Arthrose in allen Gelenken und in der gesamten Wirbelsäule das Leben oft nicht eben leicht. Dazu gesellen sich Spätschäden der zu frühen Geburt in Form einer Gangunsicherheit, die es mir unmöglich macht, mehr als einen Kilometer am Stück ohne Stock zu laufen. Zeitweise ist es so gut wie unmöglich, normal zu gehen. Meine Handgelenke sind innerlich "zerfranst", lt. Handchirurg ist dort nichts mehr so wie es sein muß, denn meine Elle ist zu lang. Diverse Stürze haben sie zusätzlich geschädigt.
Nun aber eine anstrengende, doch auch sehr schöne Woche, die mich Dankbarkeit empfinden läßt:
Am Montag
verbrachte ich den Vormittag mit der Beantwortung meiner E-Mails, die von Kontakten kamen, welche ich teilweise über das Netz knüpfen konnte. Ich durfte nette Texte lesen und sie zurückgeben. Ich freute mich, es ruhig angehen lassen zu können. Am Nachmittag fuhr ich mit meinem Fahrrad - mein Strickzeug im Gepäck - zu meiner 97 jährigen Mutter ins Altenpflegeheim. Ein total verheddertes Woll-Wirrwarr befand sich ebenfalls darunter. Ich setzte mich mit meiner Mutter in den Aufenthaltsbereich und es dauerte nicht lange, da war ich von Leuten in Rollstühlen und mit Rollatoren umgeben. Von alten Leuten, die mich kennen und die wissen, daß es lustig ist, wenn ich dort bin und die unendlich dankbar sind, wenn sie für einige Stunden ihrer Isolation und Stumpfsinnigkeit entrinnen können.
Dankbar radelte ich nach Hause!
Am Dienstag
war mein Garten, der eigentlich nicht mehr als eine große Terrasse ist, dran. Ich stutzte meinen Wein, der mir in diesem Jahr das erste Mal Trauben beschert hatte, die ich mit meiner Cousine, in dessen Haus ich als Mieterin lebe, gemeinsam verzehrt habe. Sie waren nicht süß, aber wir haben doppelt geteilt. Meine Freude darüber und die sauren Trauben... Ich werkelte hier und dort, entsorgte die verblühten Sommerblumen, erfreute mich an den letzten noch blühenden Rosen, brachte meine Gartenstühle teilweise in ihr Winterquartier. Freute mich schon jetzt, daß ich sie im Frühjahr mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wieder hervorholen würde.
Kaputt und erschöpft, aber glücklich, nahm ich eine Dusche und setzte mich ans Fenster, um mein Werk nochmals zu betrachten.
Ich war dankbar!
Am Mittwoch
besuchte ich am Nachmittag wieder meine Mutter und am Abend ging ich zu einem Vortrag über Magnetschmuck. Ich glaube nicht an dessen Wirkung, aber einige Freundinnen waren dort und ich verbrachte einen netten Abend und lernte noch eine nette Dame kennen. Ich kaufte einen Ring, weil er so hübsch aussah, den ich mir selbst zu Weihnachen schenken werde. Der Abend endete sehr lustig.
Ich begab mich dankbar nach Hause!
Am Donnerstag
besuchte ich mit einer lieben Freundin deren Freundin, die ich noch nicht lange kenne, die aber auf meiner Wellenlänge schwimmt und nun in einer Kurklinik weilt. Ich habe schon einige nette Stunden mit ihr alleine und auch mit noch anderen Freunden verbracht. Wir haben auch schon ein Schuh-Fotoshooting zusammen gemacht und uns köstlich dabei amüsiert. Wir bezeichnen uns auch schon als Freundinnen. Ich war vor einigen Jahren in der gleichen Klinik und es ging mir damals sehr, sehr schlecht. Es war zu der Zeit, als ich meine Arbeit verloren hatte, Zukunftsängste hatte, meine Mutter ins Heim umzog und der ganze Ballast an mir klebte. Auch meine Krankheit brach zu der Zeit aus. Ich absolvierte eine psychosomatische Kur von siebeneinhalb Wochen. Sie hat mir gut getan. Zu dritt fuhren wir in ein ganz uriges Cafe, labten uns an Kaffee und Kuchen und auch an dem wunderschönen Ambiente. Wir ließen uns später in der Klinik noch ihr Zimmer zeigen und es sah exakt so aus wie meines vor Jahren. Viele Emotionen kamen in mir hoch... Negative und Positive. Ich freute mich darüber, daß ich die negativen Aspekte überwinden konnte.
Dankbar ließ ich mich zu Hause von meiner Freundin absetzen!
Am Freitag
war ich eingeladen bei einer sehr lieben, sehr toleranten, fast weisen Freundin. Ich habe sie über einen Job vor ca. zwanzig Jahren kennengelernst. Sie ist fast zwanzig Jahre älter als ich und ich habe bei ihr immer den Gedanken: Solch eine verständnisvolle Mutter hätte ich gerne gahabt. Ich fuhr mit frischen Brötchen zu ihr und wir genossen sie mit Marmelade, die sie selbst eingekocht und aus Georgien mitgebracht hatte. Am Mittag gab es eine knusprig gebratene Ente und leckeren Rotwein. Gegen Abend verabschiedete ich mich und bekam noch selbstgemachten Likör und selbst eingemachte Bohnen mit nach Hause. Wir umarmten uns sehr herzlich, wobei mir Tränen der Rührung in die Augen traten. Ich holte auf dem Weg nach Hause meinen 35 jährigen Sohn ab, der mir freundlcherweise sein Auto überlassen hatte.
Dankbar auch darüber, saß ich zu Hause auf meinem knallroten, heißgeliebten Sofa bei schöner Musik, die mir ein Freund nach meinen Wünschen auf eine CD "gezaubert" hat, ließ den Tag Revue passieren und gönnte mir noch ein Glas Rotwein!
Am Samstag
besuchte ich meine Mutter wieder und freute mich auf den Abend, denn besagte Freundin aus der Kur durfte am Wochende nach Hause und wir hatten uns zu dritt zu einem Kochabend verabredet. Um 17.00 Uhr trafen wir uns und tranken erst einmal ein Glas Sekt. Es war eine wunderschöne Atmosphäre bei der gastgebenden Freundin. Viele Kerzen und wohlige Wärme im Haus und von ihr ausstahlend, bewirkten, daß man sich sofort wohl fühlte. Wir schnippelten und rührten und lachten und meine Freundin tanzte nach einem Stück, das im Radio spielte, in ihrer schwarz-rot-goldenen WM-Kochschürze Charleston...!!! Wir hatten einfach Spaß und gute Laune trotz aller Widrigkeiten. Die eine Freundin hatte große Sorgen um ihren kranken Sohn und die Andere war mit noch nicht einmal fünfzig Jahren Witwe geworden, stand plötzlich mit drei halbwüchsigen Kindern, großem Haus und großem Garten da und arbeitet auch noch in der nicht leichten, ambulanten Krankenpflege.
Dankbar, satt, sektselig und glücklich begab ich mich nach Hause!
Am Sonntag
kam morgens mein Sohn, dessen Ehe geschieden ist, mit seinem siebenjährigen Sohn, den er an jedem Wochenende zu sich holt, mit frischen Brötchen zum Frühstück. Mein Enkel legte seine Arme um meinen Hals, der große Sohn nahm mich in den Arm, deckte den Tisch und wir ließen uns ein köstliches Frühstück schmecken. Später spielten wir mit dem Kleinen Gesellschaftsspiele und am Abend blieb mein Enkel hier, weil die Mama arbeiten mußte am Montag früh. Ich schickte ihn heute morgen zur Schule, nachden wir beiden gefrühstückt hatten.
Dankbar schloß ich die Tür und schrieb diesen Artkel. Dies alles entschädigt mich für meine Schmerzen und Wehwehchen. Ich lebe damit und ich lebe gerne. Ich bin nicht mehr wütend, sondern bin dankbar, daß ich meine Familie, Freunde und Bekannte habe, und die Fähigkeit, mein Glück zu "erkennen" Es läßt mich die Krankheit zeitweise vergessen.
ICH HABE VIELE GRÜNDE, DANKBARKEIT UND DADURCH GLÜCK ZU EMPFINDEN
KommentareUnd ich finde auch jeden Tag schön.
Fibro ist etwas extra Komisches, ein Tag ist es gut, oder Stunden und dann quält es einen wieder und ohne Tabletten geht gar nichts mehr.
Ich glaube meine Mutter hatte es auch schon, damals wußten sie es nicht. Heute wissen sie auch nicht viel.
Ich habe die Fibro erst seit 4 Monaten und muß lernen daß sie nicht mein Mittelpunkt sein darf. Ich mache jeden Tag etwas Schönes.
Und habe Ziele. Ich muß ja auch noch Marcumar nehmen und da hoffe ich daß es nur ein Jahr sein muß.
Ich denke alles muß so sein.
Jetzt bin ich gespannt, ob ich Invaliden rente von der Versicherung bekomme...
es ist komisch , asray ist meine Freundin....vielleicht ist Fibro ja ansteckend:-))))))
Aber der Austausch tut gut.
Es ist ein sehr schöner Artikel, den sollten Einige lesen , gut wäre wenn sie ihn auch noch verstehen würden.
Fibro ist nichts extra Komisches, sie kommt in Schüben, Intervallen.
Wenn sich das Wetter ändert, feucht- kalt ist.
Aber auch ich habe 15 Jhare lang gesucht, bis man es erkannte.
Und ich freue mich über jeden Tag, den ich genießen kann, alles tun kann, was ich möchte.
Und dafür bin auch ich dankbar.
Da ich noch einen schweren Unfall bei der Arbeit auf der Autobahn hatte, kam ich per Heli sofort in eine Klinik, wo man das alles dazu feststellte und aus der Klinik raus, kam ich direkt in die EU Rente.
Nun, da ich 65 wurde, ist es in die "normale" Rente übergegangen.
Ich bin froh, daß ich mich immer mit Arbeit etwas ablenken konnte, dadurch habe ich mir meine Rente auch selbst absichern können.
Leiden in dem Sinn, muß ich schon dank der Medikamente nicht mehr.
Es gibt halt gute und weniger gute Tage und ich sage mir dann immer: Jetzt wirst du bals 66 und was willst Du noch mehr? Anderen Menschen geht es wesentlich schlechter und somit kommt auch die Zufriedenheit.
Ich habe in der Klinik Schlimmeres gesehen bei jungen Menschen, da muß man schon dankbar sein, daß es noch so gut geht.
Wenns halt wieder mal überall nicht so ist, wie ich es gerne hätte, lege ich mich hin und lese, wobei ich meist einschlafe, denn Fibro macht auch oft sehr müde. Aber ich kann ja schlafen, wann und wieviel ich will. Und das ist gut so.
Ja, Einige lesen hier so manchen Artiker und verstehen ihn nicht und geben dazu dumme Kommentare ab, aber auch das irritiert mich nicht
mehr.
Denn auch ich habe sehr viele Gründe, Dankbarkeit zu kennen und Glück zu empfinden!
Ich wünsche Dir alles Gute!









Du hast dir viel Mühe gegeben mit deinem Text und doch ziemlich viel von dir hier preisgegeben; nun, ob das gut war, wird sich zeigen.
Deine Krankheit haben noch einige hier - auch ich zähle dazu, bereits vor fast 40 Jahren brach das aus, wurde nur lange nicht erkannt; ich habe jedoch alles sehr gut im Griff und muss glücklicherweise nicht LEIDEN (wofür ICH dankbar bin !)
Auch ich habe hier sehr wertvolle Freundschaften gefunden, quer durch die Republik, die ich nicht mehr missen wollte.
Bleibt dir nur zu wünschen, dass dich die weniger Netten nicht entdecken (die gibt es hier natürlich auch).
Der Winter ist hoffentlich bald wieder um und dann geht es den "Fibros" auch wieder etwas besser ...