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Wohnen

Der 90. Geburtstag und das „Billy“- Regal


Im Thema: Wohnen
von: Der Fredi
erstellt am: 27.03.2009

9 Bewertungen: (ø 4.1)
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Ja – vor ein paar Tagen wäre sie 90 geworden. Aber leider wurde es ihr nicht vergönnt diesen Tag noch zu erleben. Sie starb leider sehr jung. Aber hinterließ uns sehr viel! Am 21. März 1919 erblickte sie in Weimar das Licht der Welt. Und sie nahm dieses

Die Rede ist von der Kunstschule „Das Bauhaus“.
Und von einem „unmöglichen Möbelhaus“.

Walter Gropius gründete die Kunstschule 1919 in Weimar. Er konnte bedeutende Künstler wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer als Lehrer gewinnen. 1923 kam der Konstruktivist Laszlo Moholy – Nagy, der für ganzheitliche lebensreformerische Ideen stand.
1925 erfolgte aus Finanznot (die thüringische Regierung halbierte 1924 den Etat der Schule) der Umzug nach Dessau. Dort beginnt die Möbelentwicklung: Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe entwickeln den ersten „Freischwinger“.
Es wurde die Devise: „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ herausgegeben. Und man begann mit der Industrie die Serienfertigung von Möbeln.
1931 musste auf Druck des Dessauer Gemeinderates (NSDAP) die Schule nach Berlin umziehen. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten zur Selbstaufgabe gezwungen.
Soweit ein kurzer historischer Abriss.

Was sich als „kalte, leb- und lebenslose“ Architektur und Innenarchitektur dieser neuen Schule darbot, war der formgestaltete gefühlsmäßige Ausbruch raus aus der wilhelminischen Ära, den Millionen Toten des 1. Weltkrieges und dem nachgemachten Interieur der Oberklasse. Man wollte einen Neuanfang – auch im eigenen Wohnzimmer. Weg mit den klassizistischen Bauten. Weg mit Biedermeier und barocken Formen. Das „Warme und Heimelige“ in der Wohnung hatte ausgedient. Vitrinchen und Porzellan – Waschschüsseln flogen auf den Müll, die bronzene Kaiserbüste hinterher. Die Fenster wurden „befreit“ von schweren dunklen Samtstores mit Tüddeln und Troddeln.
Es kam Licht! Mit dem Licht wurde auch Offenheit suggeriert. Ein neues Lebensgefühl machte der wilhelminischen Verlogenheit Platz: Das Ehrliche. Auch in der Form: Klare Formen und Muster. Rechte Winkel und der goldene Schnitt bringen Übersichtlichkeit und wohltuende Einfachheit.

Aber auch diese neue Form des Wohnens hatte einen Nachteil: Nur sehr wenige Menschen aus der oberen Mittelschicht, vorwiegend dem Bildungsbürgertum, konnten sich solche Wohnungen und Einrichtungen leisten. Dabei war der Grundgedanke doch ein neues Wohnen für alle erschwinglich zu machen. Die erst beginnende Industrialisierung im Baugewerbe und in der Möbelbranche erschwerten natürlich eine preiswerte Großserienproduktion. Weltwirtschaftskrise und der 2. Weltkrieg bereiteten der Bauhausidee ein vorläufiges Ende.

Erst Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges besann man sich auf die Ideen zurück.
Rechteckige schnörkellose Mehrfamilienhäuser mit klaren Wohnungsgrundrissen wurden ab Mitte der 50er Jahre in Großtafelbauweise errichtet. Die Wände und Decken wurden in Fabriken vorgefertigt und vor Ort zusammenmontiert: Der Plattenbau!
Eine Idee, deren Grundzüge aus dem Bauhausgedanken entlehnt wurden: Preiswerten Wohnraum mit einem menschengerechten Komfort zu errichten. Das funktionierte. In der DDR und in Russland wurden diese Wohnungen viele Jahre zum gesuchten Objekt für die Mieter.
Dass diese Bauten heute in Verruf stehen hat andere Ursachen.

Im Westen dauerte eine Anwendung der Bauhausidee länger. Andere soziale Ideale und Wünsche ließen zwar gutes und sehr gutes Design entstehen (hier seien nur Max Bill, Dieter Rams und Wilhelm Wagenfeld - auch ab 1929 ein Lehrer am Bauhaus - genannt), aber Produkte die in einem Kontext zum Bauhausgedanken standen gab es kaum.
Erst Ingvar Kamprad, ein kleiner schwedischer Möbelhersteller begann um 1950 zerlegte Möbel zu versenden. Ab Mitte der 60er Jahre wurden Produktion und Versand so optimiert, dass durch einfache Formen und ausgefeilte Proportionen der Möbel sowohl der Ästhetik, wie auch der Logistik Rechnung getragen wurde.
Ab den 70er Jahren setzte sich das Ikea Konzept auch bei den Verbrauchern altersübergreifend durch: Billy – Regale und Poäng – Freischwinger etc. eroberten die Wohnungen aller sozialer Schichten.
Ein Möbel für Alle!!!
Ingvar Kamprad wollte sicherlich nie „seine“ Designer in der Bauhaustradition sehen.
Aber das Ikeakonzept ist die Umsetzung des Bauhausgedankens in Reinkultur.

Viele Ideen sterben früh, weil sie nicht gut sind.
Viele Ideen sterben, weil sie zur falschen Zeit kommen.
Aber was gut ist wird bleiben.
Das Bauhaus ist tot.
Es lebe das Bauhaus!

©Fredi
(geschrieben auf einem Poängsessel, neben Billy – Regalen)

Quellen: Wikipedia, Zeit – Lexikon,
Foto: Bauhaus - Logo
IconKommentare

Falkin Lilly
Falkin Lilly27.03.2009 17:23
Wohnst du schon...oder lebst du noch

Längst wohne ich ich und lebe....in meinen eigenen vier Wänden..rechteckig und schnörkellos und doch heimelig. Meine vielen Bücher und Nippes finden Platz im Ikea Billy Regal....und irgendwie gehörte es auch zu unserem Beziehungsbeginn.
Ich erzählte dir, das ich mir eine Wohnung einrichte...aus dem Haus ausziehe, meine Familie verlasse. Geld war kaum vorhanden...aber das, was da war, reichte....dank Ikea...dank Billy...dank einem wunderbaren Konzept....und mittlerweile gibt es viele Menschen...und dazu gehörst auch du....die mit ihrem Herzblut genau diese Möbel aufbauen...und sie dann auch lieben.
Übrigens sitzt es sich in deinem Poängsessel sehr gut....und auch Maya wird sich sicherlich dort sehr wohl fühlen...deine neue Liebe.
Schmunzel......dein Eumelchen

Caramia E.
Caramia E.27.03.2009 17:24
Billy

...das ist doch das Regal, wo am Ende immer zwei wichtige Schrauben fehlen oder übrigbleiben:-)))

Falkin Lilly
Falkin Lilly27.03.2009 17:30
Nee Sybille

da fehlen keine Schrauben...das darfst du mir glauben....und es bleiben nicht einmal welche übrig....alles paßt wie angegossen.
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied 27.03.2009 17:35
Poäng neben Billy

steht bei mir nicht dicht nebeneinander - aber doch in Rufweite. Ich gebe dir recht, daß vom Ikea-Stil viele Möbelhersteller ein gutes Stück lernen sollten. Mich stört allerdings die Qualität, die nur wenige Umzüge mit den Teilen zuläßt. Viel mehr stört mich aber, daß die schönen Bauhaus-Nachproduktionen - fast unerschwinglich sind - und die Plagiate häßlich und unbequem. Also auch heute noch: Qualität nur für Besserverdienende. Leider.
Der Fredi
Der Fredi27.03.2009 17:45
Liebe Klara,

Da muss ich dir leider Recht geben: Die Reproduktionen z.B. von Cassina etc. sind so unverschämt teuer, dass der Kundenkreis heute der gleiche wie damals ist.
Ein Freischwinger von Marcel Breuer kostet z.B. ca. 7.000 €.
Ein Poäng 70.
Das nenne ich den Bauhausgedanken leben.

Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied27.03.2009 18:04
Gropius

Was für ein interessanter Artikel. Die Geschichte um Gropius und Mies van der Rohe kenne ich. Vor einigen Jahren habe ich mir das Bauhaus in Dessau angeschaut und war hell begeistert. Besonders über die zunächst in Miniatur aus Holz gefertigten Entwürfe. Wer sich für Architektur interessiert, dem kann ich einen Besuch nur empfehlen. Es lohnt sich. LG, Susanne
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied 27.03.2009 23:25
Die beiden Schrauben...

...fehlten früher immer, Sybille....das hat sich in den letzten 20 Jahren aber zum Guten gewendet! Heutzutage fehlt nix!
Fredi, ich finds schön, dass du ans Bauhaus erinnerst...
Plattenbauten- der 50er Jahre (und manche anderen Siedlungsbauten)
hatten sicher den Grundgedanken des rationellen und preiswerten Wohnraum-Schaffens mit dem (einen) Grundgedanken der bauhäusler gemeinsam...aber...abgesehen von den Gründen, aus denen sie in Verruf gerieten: wenn ich die Weißenhofsiedlung mit solchen Vierteln vergleiche, sehe ich , dass eben mehr dazu gehört als dieser Grundgedanke, nämlich das Gespür für Proportionen. Ein Bau ist noch keine Architektur. (Naja, im puristischen Sinne natürlich schon..)
Der Trend zum "Bauhausstil" ist in Hamburg bei neuen Reihenhaussiedlungen ganz ausgeprägt...und oft denke ich, wenn ich die sehe, schön....aber...zu viele Materialien, oder "falsche", oder Balkone, die nicht zweckmäßig sind...
Jedenfalls wäre viel schöne Architektur und viel zweckmäßiges, ästhetisches Design ohne Bauhaus nicht "angestoßen" worden.



Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied28.03.2009 09:04
wo wären wir ohne

Interessanter Artikel und wen es interessiert, heute Abend 22:30 Uhr auf 3sat, gibt es einen historischen Abriss zu sehen.
Grüßle vons Bernie

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied 28.03.2009 10:12
Bauhaus Wagenfeld

Hey,

..... ich oute mich ebenfalls mal als großer Bauhaus-Fan....und für Inside of the House besonders Wagenfeld!!

und wenn ich mal groß bin und viel Geldverdiene, dann kaufe ich mir endlich die

http://www.torquato.de/wagenfeld-leuchte.html

......laß sie mir natürlich auch gern schenken ;)

noname noname
noname noname28.03.2009 15:40
IKEA Auto

bei IKEA gibts ab 1. April auch Autus als Bausatz.
Gugst du hier

http://stylespion.de/ikea-stellt-leko-vor-ein-auto/3787/


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