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Kultur

Der freie Platz in der Kantine...


Im Thema: Kultur
von: Evelyn Bay
erstellt am: 04.03.2011

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286 mal gelesen


Gestern traf sich in unserer Gemeinde wieder meine Jugendgruppe, und die Mädels erzählten, wie so häufig, die Ereignisse des vergangenen Monats. Diesmal meldete sich Margund:

Der freie Platz in der Kantine...

"Machen Sie, das Sie wegkommen, ich will hier in Ruhe zu Mittag essen!" Immer wieder klingen mir diese Worte in den Ohren, wie eine Melodie aus dem Radio, die man nicht mehr los wird. Und jedesmal zucke ich wieder zusammen. Was hatte ich ihr denn getan? Mit welchem Recht fuhr sie mich so an? Die anderen Azubis waren zwar auf meiner Seite, meinten aber, ich solle mich nicht so aufregen und keinen Gedanken mehr an diese zickige Tussi verschwenden.

Leichter gesagt als getan. Ich ließ den Vorgang noch einmal vor mir abrollen: Wir hatten in der Kantine noch auf Sigrun gewartet, als sich eine Frau auf den einzigen freien Platz an unseren Tisch setzte. "Das ist jetzt mein Platz", entgegnete sie auf unsere Bitten, den Platz für Sigrun frei zu lassen. Als Sigrun dann kam, blieb uns nichts anderes übrig, als unter gut vernehmlichen und frechen Kommentaren über engstirnige und festgefahrene Leute mit aus der Luft gegriffenen Ansprüchen das Feld zu räumen.

Mir ließ das Ganze jedoch keine Ruhe, denn wir hatten uns nach meinem Empfinden nicht richtig verhalten. So beschloß ich, mich nach dem Essen bei ihr zu entschuldigen. Doch sie erteilte mir nur mißmutig eine Abfuhr. Ich war verletzt, sprachlos und eingeschüchtert und hätte was dafür gegeben, sie nie wiederzusehen. Einige Tage stand ich ihr jedoch wieder in der Kantine gegenüber, ohne 'Fluchtweg', und sie schaute mich durchdringend an. Ich war wie gelähmt und zeigte keine Reaktion. Meine sonst so gute Stimmung war hinüber. Ich spürte mich klein und hilflos, und das alles war mir auf den Magen geschlagen.

Am Wochenende danach traf ich mich mit anderen Jugendlichen in unserer Gemeindegruppe. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut. Wir sprachen über vieles, und in diesen Gesprächen und durch die konkrete Zuwendung der anderen verstand ich in meiner Situation einiges besser. So konnte ich meine Schwächen annehmen, sogar der Frau verzeihen, die mich - ohne es zu wissen - bis an meine Grenze gebracht hatte.

Am Montag ging ich zur Arbeit mit dem Wunsch, den Dialog wieder aufzunehmen. Mit einer Tafel Schokolade bewaffnet klopfte ich an ihre Bürotür. Erstaunt schaute sie von ihrer Arbeit auf: Wie ich dazu käme, ihr ein Geschenk zu machen? Nein, als Wiedergutmachung wolle sie das nicht annehmen, aber als kleines Geschenk schon. Wir wechselten noch ein paar Worte und dann ging ich wieder.

Zwei Tage später stand sie wieder vor mir in der Schlange der Essensausgabe. "So, so", meinte sie und lächelte mich an, "wir können uns ja zusammensetzen"... M.G.
IconKommentare

Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied06.03.2011 10:30
Mensch

was haben manche für Probleme:-)
Klaus Dieter
Klaus Dieter08.03.2011 18:53
Wer

oft unterwegs ist hat ab und an solche Probleme.Das habt ihr aber doch noch gut geregelt.

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