Deutscher Musikpreis
Im Thema: Kunst
von: Inaktives Mitglied
erstellt am: 23.02.2009

von: Inaktives Mitglied
erstellt am: 23.02.2009

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für Udo Lindenberg
Die Auferstehung des Udo L. aus HamburgVon Christian Buß
Bei der Echo-Verleihung präsentierte sich die darbende Musikbranche glamouröser denn je. Aufstehmännchen wie Paul Potts, Michael Hirte oder Udo Lindenberg wurden als Hoffnungsträger einer Gesellschaft gefeiert, in der die alten Erfolgsstrategien keine Chance mehr haben.
Die Musikindustrie zeigte ihre neuen Zähne: Unvermeidlich war es, dass irgendwann an diesem sehr langen Abend Paul Potts, der ehemalige Handy-Verkäufer mit dem ehemals so schiefen Kiefer, der Welt noch einmal sein rundum renoviertes Gebiss präsentierte, um den Preis als "Künstler international Pop/Rock" entgegenzunehmen. Später schmetterte er dann zum x-ten Mal seine Puccini-Arie, während ihm von der Hallendecke der Sternenstaub auf die Schultern rieselte.
Der einstige Freizeittenor Potts, der in Deutschland inzwischen berühmter ist als in seiner britischen Heimat, verkörpert die Erfolgsgeschichte des vergangenen Jahres: In einer Castingshow wurde der rundliche Mann beim Singen einer Opernarie erst belächelt und dann bejubelt, und ein großer deutscher Telekommunikationsanbieter versendete diesen Erweckungsmoment dann millionenfach als Werbefilmchen in hiesige Haushalte. So werden heutzutage Stars gemacht.
Größte Sause denn je
Man darf die deutsche Musikwirtschaft für ihre schmierigen Crosspromotionaktionen verachten, man darf sie aber auch als Vorreiter einer neuen Ökonomie feiern, der wir uns wohl alle irgendwie unterzuordnen haben: Keiner will oder kann mehr etwas für Musik ausgeben, das Popgeschäft aber bringt seinen Apparat jedoch seit Jahren irgendwie über die Runden. Als das Wort Krise noch lange kein gesamtgesellschaftliches Phänomen beschrieb, da kollabierte ja bereits eine Plattenfirma nach der anderen. Trotzdem feierte die Branche jedes Jahr aufs Neue sich selbst und ihre immer magereren Verkaufserfolge bei der "Echo"-Verleihung.
Von der Musikindustrie lernen heißt also, die Krise umarmen lernen. Und so legten die Verantwortlichen ausgerechnet nun in einer Zeit, wo das Spargebot sämtliche Wirtschaftszweige durchzieht, die größte und glamouröseste Sause hin. Nach Jahren im schäbigen Berliner ICC, wo zwischenzeitlich doch arg geknappst und gemault wurde, hatte man für gestern die schöne neue 02 World gebucht. Nein, ohne Telekommunikationsanbieter geht es eben nicht mehr. Aber das macht durchaus Sinn für eine Branche, in der mit Klingeltönen und mit auf Konzerten entstandenen Handyfilmchen mehr Geld gemacht wird als mit den Tonträgern und Tourneen selbst.
Feier der Wiederauferstandenen
Und so sah man auch bei der gestrigen "Echo"-Ausgabe wieder im Publikum ein Meer blinkender Handys, das sich aufs Wunderbarste mit der stimmungsvollen Lichtgestaltung auf der Bühne verband. Die Toten Hosen, die später noch als beste Live-Band geehrt wurden, sangen sitzend die Ballade "Auflösen", während um sie herum Hunderte von Glühbirnen vor sich hin funzelten. Depeche Mode brachten als Weltpremiere ihre defätistische neue Single "Wrong" zwischen apokalyptisch beleuchteten, umgestürzten Stahlträgern zur Aufführung und lieferten so den stärksten Krisensong des Abends. Und Udo Lindenberg nuschelte sein "Woddy Woddy Wodka" im Astronautenoutfit zwischen Mondkratern aus Pappe, während über ihm sanft ein leuchtender Riesenluftballon mit dem Antlitz unserer Erde leuchtete.
Danach gab es dann für Lindenberg noch die Trophäe als "bester Künstler National", was schon deshalb bemerkenswert ist, weil er ja bereits vor 17 Jahren den Echo für sein Lebenswerk erhalten hat, also jene Auszeichnung, mit der man eigentlich wohlwollend in den Ruhestand geschickt wird. So gesehen bekam die gefeierte Rückkehr des alten Herren durchaus eine symbolische Kraft für die Musikbranche als Ganzes: Totgesagte leben länger. Seine Dankesrede wurde zum virtuos ausholenden Drei-Minuten-Monolog eines Aufstehers.
http://www.spiegel.de/kultur/




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LG Euere Leni