Die Fahrkarte
Im Thema: Reisen & Hotel
von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 17.10.2011
von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 17.10.2011
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Manchmal sind wir ganz unversehens einer etwas schwierigen Situation ausgesetzt, wo wir kaum Zeit haben, uns zu überlegen, wie wir uns verhalten sollen...
"Immer wieder nahm die Frau neben mir einen kräftigen Schluck aus der Flasche. Dadurch und auch durch ihre matten Augen vermutete ich, dass sie ziemliche Alkoholprobleme hatte. Mit uns im Zugabteil saß noch ein ausländischer Fahrgast, der Zeitung las. Die Atmosphäre war wie gewohnt: Keiner sagte ein Wort, niemand beachtete den anderen.Dann kam der Schaffner: "Ihre Fahrkarten bitte!" Der Mann legte seine Zeitung beiseite und reichte dem Kontrolleur die Fahrkarte. Dabei stellte sich heraus, dass er nur für die halbe Strecke gelöst hatte. Deswegen sollte er fünf Euro nachzahlen. In gebrochenem Deutsch erklärte er, dass er kein Geld mehr habe. Da drohte ihm der Schaffner mit einer Anzeige wegen Schwarzfahrens.
Ich erinnerte mich an das 'Wort des Lebens' aus der hl. Schrift, das wir gestern Abend noch mit unserer Gruppe gelesen hatten: "Gebt, dann wird euch gegeben".
Da gab ich mir innerlich einen Ruck und bot dem Schaffner an, für den Mann zu bezahlen. Der Schaffner zuckte mit den Schultern und akzeptierte das. Aber dann fragte er mich: "Warum tun Sie das?" Nun mischte sich auch die Frau ein, die etwas zu tief in die Flasche geschaut hatte. Sie hatte das Geschehen mitverfolgt.
"Die Hälfte der Kosten übrnehme ich", sagte sie zu meinem Erstaunen. Aber das alles war wie ein Dammbruch, denn wir begannen uns zu unterhalten, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Die übliche Unverbindlichkeit gegenüber den anderen war wie weggeblasen, und wir waren alle davon angetan...
Ich habe dann später noch oft an diese Zugfahrt denken müssen." M.G.




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