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Essen & Trinken

Ein normaler Betriebsausflug... grins


Im Thema: Essen & Trinken
von: Werner W.
erstellt am: 01.08.2009

421 Bewertungen: (ø 4.3)
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Der Tag des ausgelassenen Feierns war gekommen. Alle freuten sich und der bereits deutlich angeheiterte Müller legte einen derart rasanten Stepptanz hin, dass seine Schuhsohlen, auf dem frisch gebohnerten Boden, ein kompliziertes Muster hinterließen.

Da Hiltrud Hinkebein kürzlich einen Wochenendkurs, hinsichtlich Schamanentum und Präkognition, absolvierte, kniete sie sich hin und studierte die hinterlassenen Schleifen und Winkel, des verhinderten Fred Astairs. Nach kurzer Zeit ordnete sie stöhnend ihre rheumatischen Glieder und deklamierte: „Der Ausflug wird ein voller Erfolg“. Wir anderen jubelten und klopften ihr begeistert auf die knochigen Schultern.

Alles stand zum Besten und wir machten uns bereit unseren Ort der Kontemplation zu erreichen. Jedenfalls wurde fleißig Bier gekauft und das arme Vehikel, welches zum Transport der flüssigen Nahrung verdammt wurde, ging protestierend in die Knie.

Bereits am Morgen wurden eifrig Kartoffelsalat und Häppchen gefertigt und die restlichen Salzstangen und Erdnüsse der letzten Feier sollten ebenfalls der Nahrungskette zugeführt werden. Koslowskis Grill wurde genauso eingepackt wie Holzkohle, Grillsteaks, Würstchen, Speckstreifen und einiges mehr.

Zwei Tapeziertische und 12 Klappstühle fanden im ächzenden Uraltkombi von Brausewitz ihren Platz, und irgendwie schafften wir es, alle Personen unterzubringen.

Muntere Liedchen trällernd, modulationsverbesserndes Bier genießend, legten wir die kurze Strecke zum grünen See zurück. Dort angekommen bereiteten wir alles vor und machten es uns auf den Klappstühlen gemütlich. Somit konnte die Feier beginnen.

Koslowski verstand sich als Grillmeister. Mit seinen Bermudashorts über den knubbeligen Stachelwaden, dem tief herabhängenden Bierbauch, dem stoppeligen Gesicht, sowie der sonnengebräunten Glatze, sah er richtig zünftig aus. Dass sich Shorts und Hemd im rückwärtigen Teil seiner Anatomie bei jedem Bücken trennten, bereitete uns einen bewundernswerten Blick in den fleischlichen Grand Canyon, welchen seine Pobacken bildeten.

Koslowski hatte zu Beginn etwas Schwierigkeiten, genügend Wärme aufzubringen, um die Reaktionsenergie für die gewünschte, thermische Photonen bildende-, Kohlenstoff-Sauerstoff-Reaktion zu initiieren. Da er, kreativ wie er war, die Holzkohle mit reichlich Spiritus getränkt hatte, entstand eine plötzliche Barthaar-Augenbrauen-Entfernungsreaktion. Damit hatte er drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er sparte sich die Stromkosten für seinen Gesichtsbräuner, zum Friseur brauchte er vorerst auch nicht und gleichzeitig gelang es ihm, die Holzkohle zum munteren Glühen zu bringen. Der reichliche Bierkonsum schien die spärlichen-, elektrischen Entladungen seiner Synapsen, auf die Stärke von Blitzen anzuregen.

Der angekokelte Koslowski schüttete sich jedenfalls das Bier hinter die Kiemen als würde er innerlich verbrennen. Seine Freundin Hilde Knappsack tat es ihm gleich und bald prosteten sie sich alle 20 Sekunden zu. Die gelegentlich aufflammende Holzkohle bekam ebenfalls ihren Bieranteil ab.

Riyo Yamamoto packte ihr Glas für die Bowle aus und begann, eine japanische Weise trillernd, das köstliche Gesöff fertigzustellen. Ich schnappte mir alsbald einen Pappteller, befüllte ihn ausgiebig mit Kartoffel- und Nudelsalat, einer Gurke sowie einer Frikadelle mit Senf und nahm mir einen Becher Cola hinzu.

Einige der Teilnehmer waren offensichtlich der Meinung, dass das reichlich vorhandene Bier, wenn es lange in der Sonne stünde, verderben würde. Aus diesem Grunde kippten sie sich das Getränk hinter die Binde, wie ihre germanischen Vorfahren das Met. In rekordverdächtigem Tempo entstand eine bierselige Stimmung.

Erna Knappsack und Heinz Schulze dachten sich, wo ein Wille ist, da ist auch ein Gebüsch. Jedenfalls schlugen sie sich in Selbiges und alsbald wussten wir alle, dass sie sich mochten. Einige Herren schlugen sich ebenfalls in die Büsche. Ein munteres Plätschern zeigte, dass ihre Motivation, von der des jodelnden Pärchens, abwich.

Gerda Tepperwin war zwar gute 110 kg schwer aber alles war richtig verteilt. Dass ihre Brüste überaus ansehnlich waren, erkannten wir aufgrund des tiefen Ausschnitts ihres Dirndls. Sie füllten ihn wie reife Honigmelonen und weckten begehrliche Blicke. Als Gerda ein Hungergefühl verspürte, bewaffnete sie sich mit einem Pappteller und torkelte zu unserem Grillmeister.

Da aufgrund ihres alkoholisierten Zustands die wogende Pracht ungebändigt bebte und wallte, erregte sie die verstärkte Aufmerksamkeit des männlichen Geschlechts. Insbesondere des Spezialisten der Grillkunst, dem sie auffordernd Pappteller und Wonneausschnitt präsentierte.

Dies war wohl ein bisschen viel für den alkoholisierten Koslowski jedenfalls fiel ihm das heiße Würstchen dorthin, wo seine Blicke verharrten. Erschreckt langte er mit seinen Pratzen in das tiefe Tal, zwischen ihren Brüsten und drückte das Würstchen tiefer hinein.

Gerda kiekste zwar überrascht, traf aber keine Anstalten, sich den hektischer werdenden Bemühungen ihres Kollegen zu widersetzen. Seine Freundin Hilde merkte auf und blickte irritiert in die Richtung der Beiden. Schließlich wuchtete sie ihren schweren Leib in die Höhe und wankte, sich spiralförmig auf die beiden zubewegend, über das saftige Gras.

Als sie dabei an der Bowle vorbeikam, beschloss sie einen Teil ihres Gewichtes abzuwerfen und reiherte hingebungsvoll in die rote Flüssigkeit. Dies wiederum ließ die zierliche Riyo völlig ausrasten. Hektischer schnatternd als eine aufgeregte Entenfamilie stieß sie eine Flut von undefinierbaren Wortgebilden aus. Dabei sprang sie herum wie Rumpelstilzchen im Wespenschwarm.

Schließlich hielt sie in ihrem Veitstanz ein, schnappte sich ein Baguette und zimmerte es Hilde mit Kendopower über deren wasserstoffblonde-, taftgestärkte Schillerlocken.

Da Hildes Gleichgewichtssinn etwas instabil war, neigte sie sich heftig, mit den Armen rudernd, rückwärts. Weil sie dazu neigte, ihre Neigung zur Neigung zu verstärken veränderte sich der Neigungswinkel zwischen ihrer vollschlanken Figur und dem Erdboden dergestalt, dass er dazu neigte, kleiner zu werden.

Mit einem lauten Getöse fiel sie mitten in die bereitgestellten Delikatessen. Die rote Beete auf ihrem Kleid erinnerte an die schlimmsten Splatter Filme und sie beschloss von Gurken, Kartoffel und Nudelsalat garniert, diese Ganzkörpermaske etwas auf ihren Astralleib einwirken zu lassen. Jedenfalls lag sie dort, wie ein gestrandeter Wal und verblieb in dieser Stellung.

Mittler Weile war der Ehemann von Erna Knappsack zu uns gestoßen und suchte seine Frau. Dazu benötigte er nicht lange, weil sie im Gebüsch eine ihrer schönsten Arien zum Besten gab. Als er sich zu ihr vorgearbeitet hatte, bekam Erna an der ungünstigsten Stelle… nicht der Arie… einen Krampf. Sodass der begeisterte Ehemann einen Krankenwagen rufen musste.

Fröhlich ob des abwechslungsreichen Geschehens diskutierten wir nuschelnd über Kants “Kritik der reinen Vernunft“ sowie der “Erkenntnistheorie" Schopenhauers. Erst nach Mitternacht packten wir unsere Utensilien zusammen und planten auf dem Rückweg den nächsten Betriebsausflug.

Geschrieben von Werner W.

IconKommentare

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied01.08.2009 13:14
Auweia

habe noch nie nen Betriebsausflug mitgemacht.
So etwas nannte sich bei uns "Jahrestagung" und fand in Berlin im Adlon statt.
Nur frage ich mich noch heute, warum ein so teures Hotel, wo die Caips entsetzlich teuer waren (die Fa. bezahlte ja alles) und das Buffet vom Feinsten alles hergab und ich mich im Käse vertat.
Ich hatte Ziegenkäse erwischt, vor dem ich mich entsetzlich ekele.
Und da ich keinen Alkohol trinke, war ich wohl eine der Ersten, die zu Bett ging, was mir später von meinem Chef angekreidet wurde.
Das hätte doch etwas mit Gemeinschaftssinn zu tun, ob ich das nicht begreifen könne?? Nein, ich verstand die Meisten schon nicht mehr, da sie von den Caipirinas so abgefüllt waren, das das Lallen mir auf den Nerv ging und ich hatte wegen des Ziegenkäses sowieso die Nase voll.
Nur wie erklärt man das seinem Chef?
Notlüge: Magenverstimmung vom Flug....wahrscheinlich.
Man darf ja nichts schlecht machen, was die Fa. bezahlt........
Auf jeden Fall von mir mal wieder 5 grüne Männekes, da sich ein Ausflug im Freien nicht sehr von einer Jahrestagung im Adlon unterscheidet.....lacht.

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied01.08.2009 15:00
wo die Caipis

ich meinte Caipirinas
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied01.08.2009 21:35
Eine ziemlich heftige Geschichte

Da hat wohl der Autor kräftig ins Fiktionskästchen gegriffen.

Mit den vielen recht markante Sprüche und Handlungen, die geradezu grotesk erscheinen, halten sich die Protagonisten an das satirische Spiel unglaublicher Begebenheiten.
Da hilft auch ein Sprung in die Büsche nicht, um dem Lockruf dieser humorigen Substanz, von der freigiebigen Vorsehung einer Mästung meiner Lachmuskel zu entgehen.

So ein Betriebsausflug kann man auch als Teil der Entlohnung deutscher Arbeitnehmer sehen oder als eine Methode der Mitarbeitermotivation, ohne sie durch schändliche Arbeit zu entwürdigen.

Schoppi und Kant würden wohl irritiert Amok laufen, wenn sie wüssten, wie hier Vernunft und Erkenntnistheorie gesehen wird.

Diese nebenberufliche Jagd auf sogenannte Betthasen, die während der Betriebsausflugsbrunft, hüpfend mit ihren dollen Dingern mächtig durchs Gelände wackeln, arten meist zu einem wilden Halali von vernichteten Alkoholbeständen und dem umlegen des Lieblingsjagdwildes alternder Playboys aus.

Nun, diese Tierchen geben sich scheu, lassen sich jedoch mit Geld und Karriere erfolgreich anlocken und dann auch domestizieren. Ernähren sich jedoch dann von den Brieftaschen ihrer Jäger, mit dem sie eine zeitweilige parasitäre Symbiose eingehen. Manche nennen das auch sich nach Obenschlafen.

Nun, lieber Werner, ich hoffe doch wohl, dass ich Dich nicht zu heftig verbal abgeschleckt habe.

Auf zum nächsten Betriebsschreibfest.

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied03.08.2009 17:26
spielverderber...

solche exkursionen verlegen münchner firmen gerne auf das jährliche
oktoberfest.
für unsummen geldes reserviert man dann im jahr zuvor tische in einer dieser bierhochburgen unserer notleidenden wirte, und mit betriebs-schluß wandert die meute erwartungsvoll traditionell aufgmaschlt in richtung wies'n.
wohlwissend aus erzählungen was dann dort an feuchtfröhlichen ausschweifungen möglich ist / war zog ich es immer vor, meinen jahresurlaub genau in diese zeit zu verlegen...ich glaube noch heute nichts versäumt zu haben.

silke sillus
silke sillus03.08.2009 20:17
Fühlinger See

Werner bin ich froh am Fühlinger See ging es nicht so schlimm zu :-))
Ausser einer hat sein Höschen verloren war alles im grünen Bereich.

Michele Margies
Michele Margies03.08.2009 22:42
Hallo

Dir mal mit einem Schmunzeln einfach 5 Männekes hier lasse....
Michele Margies
Michele Margies03.08.2009 22:42
Hallo

Dir mal mit einem Schmunzeln einfach 5 Männekes hier lasse....
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied07.08.2009 09:13
Schön

eine lustige Schilderung. Solche "halbwhren" Geschichten flankieren oft sog. Betriebsausflüge. Ich habe mich jedenfalls amüsiert und gebe 5 Sterne dafür.
Auf zum nächsten Betriebsausflug und Danke für Deinen Bericht.

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied08.08.2009 16:26
Super

Hallo Werner, 5 Sterne für diesen tollen Artikel. Habe selbst verschiedene Betriebsausflüge erlebt, 300 Leute mit Bus und Schiff unterwegs, 80 Personen 2 Tage Berghütte Österreich oder 100 Leute in Dresden mit dem Schiff - alle Firmen hatten einen Koslowski und eine Gerda. Wenn Du jetzt noch die nächtlichen Eskapaden beschrieben hättest, könntest Du den Artikel an Steven Spielberg geben, der macht einen Film daraus. Klasse - schreib weizer so. Frank
Alice B
Alice B10.08.2009 19:58
Panik

Da lese ich wohl die Zukunftsgeschichte des Treffens im Oktober. oh oh)

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