Ein ungewöhnliches Schicksal
Im Thema: Freunde
von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 09.07.2011
von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 09.07.2011
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Wir waren eine Gruppe und unterhielten uns bei einem Glas Bier über alles Mögliche. Dann kamen wir auf das Thema: Bettler. Wie verhält man sich ihnen gegenüber? Und hier fiel mir eine selbsterlebte Geschichte ein:
Was ich jetzt erzähle, ist schon eine Zeitlang her. Bei einer Reise nach Berlin, noch zu der DDR-Zeit, habe ich einen interessanten Menschen kennengelernt.Mit einem Rucksack stand ich auf der Autobahn am Grenzübergang Helmstedt und wollte als Anhalter durch die DDR nach Westberlin. Dann hielt ein PKW mit einem Nummernschild aus Dortmund, dessen Fahrer und ich uns gleich wiedererkannten: Wir waren noch vor 2 Stunden, es war an einem Sonntag, in einem Gottesdienst gewesen. Ich erinnerte mich deshalb noch so genau, weil seine beiden Beine amputiert waren und mir das auffiel.
So stieg ich also ein, und auf der Fahrt nach Berlin lernten wir beide uns besser kennen. Der Wagen hatte eine Spezialschaltung für Behinderte.
Durch unser gemeinsames Morgenerlebnis spürte ich schon nach einiger Zeit eine gewisse Vertrautheit. Er erzählte mir, dass er seine beiden Beine nicht durch Kriegseinwirkung verlor, obwohl er viele Jahre in Russland gekämpft hätte, sondern er wäre nach dem Krieg von einem LKW überfahren worden, und man hätte beide Beine amputieren müssen. Dadurch bekäme er keine Kriegsrente, sondern er musste sich nach anderen Erwerbsquellen umschauen, um für seine Familie zu sorgen. Vier Kinder hätte er, sagte er, sie seien alle gut geraten, Gott sei Dank, und eine tolle Frau, die ganz zu ihm stünde. Und alle seien echt gläubige Menschen.
Ich fragte ihn, was er denn jetzt beruflich mache. Er lächelte, fuhr an einem Rastplatz raus und hielt. Dann holte er aus einer Tasche hinten in seinem Wagen eine Zeitung heraus, die er mir zeigte, und wo aus einem Artikel mit Fotos hervorging, dass er in Großstädten an großen Plätzen und Hauptstraßen bettelte. Auch in den Medien der DDR wäre er häufiger zu sehen gewesen, denn diese wollten dadurch beweisen, wie sehr die Menschen im Lande des Kapitalismus hungern müßten. Er griff wieder nach hinten und zeigte mir ein kleines, viereckiges Brett mit Rollen. Damit bewegte er sich in den Großstädten zwischen den Stellen hin und her, wo er bettelte.
In Berlin angekommen, vereinbarten wir, dass er mich wieder mit zurücknehmen sollte, denn er wollte wie ich nur einige Tage in Westberlin bleiben.
Das klappte auch. Mein Interesse an ihm war gestiegen, denn ich hatte ihn bisher als einen sehr sympathischen Menschen kennengelernt, ruhig, besonnen und mit viel Humor. Auf der Hinfahrt hatte er mir schon unter anderem erzählt, dass er häufig von anderen Bettlern und auch von der Polizei verjagt wurde, so dass er häufig die Plätze und auch die Städte wechseln musste. Mir war schon klar, dass er kein leichtes Leben führte.
Als wir zum Westberliner Übergang kamen, fragten ihn die Vopos, ob es sich denn diesmal gelohnt hätte. So merkte ich auch, dass er in der DDR ziemlich bekannt war.
Auf der Rückfahrt kamen wir unter anderem auch auf religiöse Themen zu sprechen. Er erzählte mir, dass er während des Krieges in Russland ein gläubiger Christ geworden wäre. Während des Feldzuges und des Rückzuges der deutschen Armee erfuhr er ein Wunder nach dem anderen. Manchmal hätten die Granaten fast die ganze Kompanie ausgelöscht, aber er blieb immer unverletzt, obwohl er durch die Wucht der Explosionen meterhoch geschleudert worden sei.
In dieser Zeit, als um die Soldaten die Hölle des Krieges tobte, hätte er vieles verstanden. So berichtete er mir unter anderem, er habe in einer inneren Schau den Fall des Luzifers gesehen. Das erzählte er aber so plastisch mit seinen eigenen und schlichten Worten, dass ich ihm Glauben schenkte. Und ganz ehrlich: seine ganze Geschichte hat mich wirklich fasziniert.
Als wir uns nach dieser Fahrt trennten, gab er mir seine Adresse, weil wir in Kontakt bleiben wollten. Leider ist mir diese abhanden gekommen. Es sollte wohl nicht sein... Rolf Harry
KommentareGesperrtes Mitglied10.07.2011 09:01
soviel
Wieviel ist ein Mensch einem Anderen wert.
Woran mißt man den Wert eines Menschen?
Gaby, ich überlege, kann mir aber keinen Reim auf deine Frage machen.
Was hätte der Pfarrer, hier Rolf Pfahlmann, denn tun sollen?
Dem Bettelenden ging es doch nicht schlecht!
Er hatte eine glückliche Familie, was so Mancher der arbeitet, nicht hat und betteln ist auch eine anstrengende Arbeit, wenn man von Mitbettelnden oder der Polizie verjagt wird und wieder einen neuen Platz suchen muß.
Er hat mit viel Mut in der Öffentlichkeit gezeigt, das er als Schwerstbehinderter für das Geld, das er "erbettelte" etwas tat.
Er war von morgens bis abends auf Tour, lag nicht auf der Couch, sah fern und ließ sich vom Staat unterhalten, wie das leider viele junge Menschen (nicht alle, gottseidank!) tun.
Die jungen oder auch etwas älteren Menschen, die keinen "Bock" auf Arbeit haben und deren Ziel es schon ist frühster Jugend ist, H4 ler zu werden.
Ab und zu evtl.!! mal etwas schwarz hinzuverdienen und lachen über die, die jeden Tag den Gott schuf, zur Arbeit eilen, brav ihren Obolus zahlen, damit dann solche Couchsitzer evtl. besser leben, als der, der zur Arbeit eilt.
Ich weiß Gabi, du hast "Hummeln" im ..... und würdest, wenn es dir einigermaßen gutgeht, sofort wieder arbeiten, und sei es auch ohne Bezahlung, in der Hilfe für alte Menschen.
Darum gerade verstehe ich deine Frage oben nicht.







