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Liebe

Eine Begegnung


Im Thema: Liebe
von: Ariane Darling
erstellt am: 19.11.2010

13 Bewertungen: (ø 4.8)
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244 mal gelesen


Liebe auf den zweiten Blick...

Madeline saß in der Metro, vertieft in ihr Buch „Mein Leben“ von M. Reich-Ranicki, als plötzlich eine Stimme aus dem Lautsprecher ertönte: „Verehrte Fahrgäste, bitte alles aussteigen, der Zug endet hier!“

Komisch, wunderte sie sich, der Zug hat doch noch gar nicht die Endstation erreicht, und ihr Zielbahnhof war auch noch ein paar Stationen entfernt.

Die Fahrgäste verließen die Waggons und versammelten sich auf dem Bahnsteig. Ein Bediensteter der Bahn erklärte, dass der Zug überprüft werden müsse und deshalb alle Fahrgäste gebeten worden waren, ihn zu verlassen

Wieder ertönte die Stimme aus der Lautsprecheranlage: „Verehrte Fahrgäste, der nächste Zug trifft in ca. zehn Minuten hier ein und wird sie zu ihrem Zielbahnhof bringen. Wir bitten um ihr Verständnis.“

Zwischen den wartenden Menschen entwickelten sich lebhafte Gespräche. Mutmaßungen wurden angestellt und wieder verworfen.

Madeline war müde. Sie war seit dem frühen Morgen unterwegs, hatte einen anstrengenden
Arbeitstag hinter sich. Sie wollte nach Hause und in ihr Bett. Sie hatte schon seit einer Weile bemerkt, dass sie von zwei Männern beobachtet wurde, die offenbar über sie sprachen. "Was starren die beiden mich so unetnwegt an!?" dachte sie unangenehm berührt bei sich.

Als hätte sie die beiden mit ihren Gedanken angelockt kamen sie plötzlich auf sie zu. „Entschuldigung“, sprach sie der Größere an, „ich möchte nicht aufdringlich erscheinen, aber darf ich fragen, was Sie da lesen?“ Madeline zeigte ihnen ihr Buch, nahm jedoch eine abwehrende Haltung ein.

Sie mochte es nicht besonders, wenn Fremde, insbesondere Männer, sie einfach so ansprachen.

„Ach, interessant!“ begann nun der andere zu sprechen, „Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki, ein bewegendes Buch! Bewundernswert wie dieser Mann trotz der Schicksalsschläge sein Leben gemeistert hat!“

„Sie haben das Buch gelesen?“ fragte Madeline, jetzt schon etwas aufmerksamer und interessierter.

Sie schaute sich die beiden Fremden nun etwas genauer an. Auf jeden Fall waren es keine Deutschen. Das hatte sie schon an dem fremdländischen Akzent bemerkt, den beide hatten.

Der eine war groß und kräftig, hatte braunes, gelocktes Haar und wirkte recht selbstbewusst. Der andere war wesentlich kleiner, schlank und schmal, mit schwarzem Haar und sehr ernsten, dunklen mandelförmigen Augen. Beide waren nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt, durchaus als gut aussehend und sympathisch zu bezeichnen. Schwer zu schätzen, woher sie kamen.

Als hätten sie ihre Gedanken erraten, begann der Größere von beiden: „Ich bin Grieche und heiße Tanos. Mein Freund ist Perser und heißt Sirwan. Wir sind Kollegen, arbeiten beide als Ärzte im Benjamin-Franklin-Krankenhaus.“

„Darf ich fragen, was Sie machen?“ begann nun der andere zu fragen. „Ich bin Bibliothekarin und arbeite in der Universitätsbibliothek der TU“, gab Madeline bereitwillig Auskunft.

In dem Moment fuhr die Metro in den Bahnhof ein. Die Fahrgäste bestiegen den Zug. Die beiden Freunde stiegen mit Madeline zusammen in einen Waggon. Es entspann sich eine lebhafte Konversation zwischen den Dreien.

„Darf ich Sie bis zu Ihrem Zielbahnhof begleiten? Ich möchte jedoch nicht aufdringlich erscheinen, würde mich aber gern noch eine Weile mit Ihnen unterhalten!“ fragte Sirwan.
„Warum nicht!“ antwortete ihm Madeline. Am nächsten Bahnhof verabschiedete sich Tanos und verließ den Zug.

„Würden Sie mir bitte Ihre Telefonnummer geben? Ich würde Sie gerne wiedersehen!“ bat Sirwan.

Madeline kramte in ihrer Handtasche nach einem Zettel und gab ihm das Gewünschte.

Sie erreichten die Metrostation, bei der Madeline Zuhause war. Sirwan begleitete sie noch die Treppe hinauf. Dann reichten sie sich die Hände und verabschiedeten sich von einander.

„Wer weiß, ob dieser Mann sich jemals wieder bei mir meldet?“ dachte Madeline bei sich, musste sich aber eingestehen, dass sie sich das insgeheim wünschte.

Bereits am nächsten Morgen klingelte das Telefon. Es war Sirwan, der sie anrief und fragte, ob sie schon etwas vorhätte, denn er würde sich gerne mit ihr treffen wollen. Es war Sonnabend und beide hatten frei. Madeline hatte noch nichts vor. So sagte sie trotz der kurzfristigen Einladung zu.

Sie wollten einen Spaziergang machen und anschließend Kaffee trinken gehen.

Beim Wiedersehen stellte Madeline fest, dass ihr Sirwan wirklich gut gefiel. Er war freundlich und zurückhaltend, dabei aufmerksam und unterhaltsam. Sie fand, dass er sehr gut aussah.

Beim Spaziergang nahm er ihre Hand und Madeline entzog sie ihm nicht. Nach dem Kaffee schlug Sirwan noch einen gemeinsamen Kinobesuch vor. Madeline stimmte zu, und sie sahen sich einen Film an, der gerade angesagt war, gute Kritiken bekommen hatte und beide interessierte.

Im Kino legte Sirwan ein paar Mal den Arm um ihre Schultern und hielt ihre Hand. Madeline ließ ihn gewähren, denn es war ihr durchaus angenehm.

Als Sirwan sie nach Hause gebrachte hatte und vor ihrer Tür absetzte, nahm er sie in die Arme und küsste sie. Und sie ließ es zu, erwiderte den Kuss und spürte, dass es ihr gefiel und sie sich nur mit Mühe aus seinen Armen befreien konnte. Beide ein wenig außer Atem, schauten sich an und begannen verlegen zu lachen.

„Darf ich noch mit zu Dir kommen?“ fragte er sie. „Heute noch nicht, lass uns noch ein wenig warten!“ „Kann ich dich morgen wieder sehen? Lass uns 'was zusammen unternehmen!“
bedrängte er sie. „Hol mich um drei Uhr ab und lass uns die neue Ausstellung im Museum in der Lansstraße besuchen, die würde ich mir gerne ansehen!“ antwortete Madeline.

„Danke, ich freue mich auf morgen!“ „Ich auch!“ Noch einmal nahm Sirwan sie in seine Arme und sie küssten einander zärtlich und innig. Schließlich riss sich Madeline los, lief zu ihrem Haus, winkte noch einmal freundlich, warf ihm eine Kusshand zu und verschwand hinter ihrer Wohnungstür. Ihr Herz pochte heftig bis zum Hals, ihre Wangen waren gerötet. Wie lange würde sie Sirwan noch widerstehen können? Vielleicht würde sie ihm morgen schon nachgeben? Ja, warum eigentlich nicht! Was sollte sie daran hindern? „Ich lebe jetzt!“ sagte sie zu sich „und ich bin erwachsen!“

IconKommentare

Petra Kallenbach
Petra Kallenbach20.11.2010 12:41
Liebe auf den zweiten Blick....

Hallo Ariane,

seufz..., eine schöne Geschichte. - Ja, man wünscht sich, dass man soetwas mal erlebt.- Ist sie Fiktion, oder hast Du so etwas ähnliches erlebt? - Ich schreibe ja auch und überlege gerade meine Weihnachts-Liebesgeschichte einmal ins SN zu stellen um diese Jahreszeit, wo alles wieder näher zusammenrückt. Doch ich weiß nicht wie lang das Geschriebene sein darf. Es sind doch so 8 Din-4 Seiten und keine Sekunde lanweilig.- Wo erfahre ich das aber?--

LG von P e t r a

Ariane Darling
Ariane Darling20.11.2010 14:46
Meine Geschichte

Hallo Petra, ja, die Geschichte enthält biographische Elemente und hat sich vor Jahren so oder so ähnlich wirklich zugetragen!

Eine hier im SN veröffentlichte Geschichte sollte die LeserInnen nicht überfordern, also nicht zu lang und einigermaßen überschaubar geschrieben sein!

Ein Feedback erhält man selten; sie werden jedoch gelesen! Was will man mehr?

Ich würde mir mehr Resonanz wünschen; die bekommt man jedoch nur in den Foren - und da leider auch nicht immer in der gewünschten Art! Viel Spaß beim Schreiben! LG Ariane

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied20.11.2010 15:14
habe

es überflogen bin ehrlich, ist für mich ein stück liebesroman, keine kritik
sondern einfach nett zulesen

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied20.11.2010 22:47
zuviel

bekommt man kreislaufstörungen vom scrollen
Ariane Darling
Ariane Darling21.11.2010 10:10
Lesen

Ja, wer auch sonst nicht liest und nur TV konsumiert, dem fällt das Lesen eines Artikels natürlich schwer! Doch Übung macht den Meister!:))
Flori S.
Flori S.21.11.2010 18:25
So trifft man sich wieder

"das Buch" .. gefaellt mir am Besten ...
Sabine W.
Sabine W.22.11.2010 12:53
... und dann

liest sich sehr entspannt, geht es denn auch noch weiter?
Ute Kessler
Ute Kessler23.11.2010 01:32
.... ja, und dann????

liebe ariane, auch ich wuerde gerne wissen, wie es weitergeht!!! ich habe auch keine probleme mit dem scrollen!!! (grins).
Dieter W.
Dieter W.23.11.2010 11:50
Liebe auf den zweiten Blick

Obwohl ich Liebesgeschichten weniger Lese, finde ich diese autentische Geschichte doch spannend und sehr schön erzählt.
Ariane Darling
Ariane Darling23.11.2010 12:24
Fortsetzung

Danke für Eure positiven Kommentare! Eine Fortsetzung war von mir nicht geplant, weil meistens nur der Anfang einer Lovestory interessant, witzig, schön ist! Aber ich kann eine andere einstellen und hoffe, dass sie auch Euren Geschmack trifft!

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