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Gesundheit

Eine ganz andere Revolution


Im Thema: Gesundheit
von: Evelyn Bay
erstellt am: 27.09.2010

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Ich komme beruflich mit vielen Menschen zusammen, die sich oft mir anvertrauen und mir aus ihrem Leben erzählen. So wie hier Marielle (Name geändert); ich darf ihre Erzählung über sich selbst weitergeben...


"Als Kind hatte ich nie Schwierigkeiten. Es ging mir gut, und in der Schule kannte ich keine Probleme. Ich war ein richtiger Erfolgstyp. Eines meiner Hobbies war die Geige. Dieses Instrument beherrschte ich so gut, dass ich irgendwann begann, an eine Karriere als Konzertgeigerin zu denken. Eines Tages fragte mich mein Bruder im Scherz: "Was machst du, wenn du einmal einen Finger verlierst?" Mich hat das ziemlich aus dem Konzept gebracht. Der Gedanke, dass ich irgendwann einmal mit irgendeiner Sache Probleme haben könnte, war mir völlig fremd.

Zum ersten Mal begann ich mich zu fragen, ob es sich wirklich lohnte, mein ganzes Leben für eine Karriere einzusetzen, die so schnell zu Ende sein konnte. Mir wurde klar, dass ich eigentlich für etwas Größeres leben wollte.

So habe ich dann nach dem Abitur nicht sofort mit dem Studium begonnen, denn ich hatte eine sehr dynamische Jugendgruppe kennengelernt. Diese Jugendlichen hatten mich eingeladen, ein Jahr lang zusammen mit ihnen ein Leben nach dem Wort Gottes zu "üben". Und das war eine unwahrscheinlich spannende Erfahrung...

Als ich nach einem Jahr voller Pläne nach Hause kam, stellte sich heraus, dass ich Diabetes hatte. Da mein Vater Diabetiker ist, wußte ich sofort, was das für mich bedeutete. Vom ersten Augenblick an spürte ich jedoch eine große innere Ruhe. Während des einen Jahres, das gerade hinter mir lag, hatte ich gelernt, dass jede Schwierigkeit zu einem Sprungbrett werden kann, das einem hilft, über sich selbst hinauszuwachsen.

Ich war mit großen und umwälzenden Vorsätzen nach Hause gekommen, wollte vieles anpacken, die Welt um mich herum verändern. Aber meine revolutionären Ideen schienen mit einem Mal dahin. Auch meinen Wunsch, Publizistik zu studieren, konnte ich vergessen. Ein Beruf auf diesem Gebiet kam nicht mehr in Frage, weil ich als Diabetikerin gezwungen bin, ein regelmäßiges Leben zu führen.

Meine Revolution war nun mit einem Mal eine ganz andere, als ich mir vorgestellt hatte. Ich versuchte, mich auf das Nächstliegende einzustellen, und das war ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus. Ich teilte das Zimmer mit einer 25jährigen jungen Frau. Sie hatte seit 20 Jahren Diabetes und war schon fast erblindet.

Hier hatte ich sofort Gelegenheit, nicht an mich zu denken. Ich besuchte einen Kurs, in dem man lernte, sich selber das Insulin zu spritzen, um unabhängig zu werden von der Hilfe anderer. Meine Zimmernachbarin sollte nicht daran teilnehmen, weil sie wegen ihrer Sehbehinderung dem Unterricht nicht mehr folgen konnte. Warum kann das nicht auch anders gehen, fragte ich mich? Ich nahm sie mit in den Unterricht und las ihr das Informationsmaterial vor.

Jedoch hätte ich nie gedacht, dass mein Leben eine solche Richtung bekommen könnte. Und doch bin ich froh...! M.S."
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