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Gesundheit

Gedanken zur Organspende


Im Thema: Gesundheit
von: Inaktives Mitglied
erstellt am: 21.10.2009

112 Bewertungen: (ø 2.5)
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Der Mangel an Spenderorganen ist eklatant. Mehr als 80 Prozent aller Bundesbürger sind zwar für eine Organspende, aber nur knapp 17 Prozent tragen einen Spenderausweis bei sich. Jährlich gibt es rd. 1200 Patienten, die die Wartezeit auf ein Spenderorgan n


In einer Untersuchung macht die die Ethnologin Dr. Vera Kalitzkus deutlich, dass es gegenüber der medizinischen Rationalität und Plausibilität deutliche psychologische und emotionale Vorbehalte gibt: "Die Transplantationsmedizin trennt strikt und eindeutig den Körper von der Seele. Das entspricht aber nicht den Gefühlen der Menschen, die ich für meine Studie befragt habe. Die meisten Menschen empfinden da eine Durchdringung, einen Zusammenhang."

Die naturwissenschaftlich-rationale Sichtweise sehe kein Problem darin, ein Herz in einen anderen Körper zu verpflanzen, für den Empfänger könne das aber ganz anders aussehen: "Einige Organempfänger verspüren eine Verantwortung für den Spender, der quasi in ihnen weiter lebt. Andere, wenn auch wenige, berichten gar davon, sich durch das Transplantat in ihrem Wesen verändert zu fühlen."
Dass man sein Leben dem Tod eines anderen Menschen zu verdanken hat, ist auch nicht einfach zu verkraften. Für die Empfänger steht deshalb auch psychologische Betreuung nach der Verpflanzung zur Verfügung.

Die Empfänger haben keine einfache Entscheidung zu treffen, schildert Kalitzkus. Meist sind sie unheilbar krank und wissen, dass sie ohne Transplantation sterben müssen. Der Ausgang einer Transplantation aber ist trotz medizinischen Fortschritts zunächst ungewiss. Die Angehörigen potenzieller Organspender sehen sich ebenfalls in einer belasteten Situation. "Bisher sind die Angehörigen aber nur wenig befragt worden und sie betrifft eine Entscheidung zur Organspende in ganz besonderem Maße." Denn sie werden oft auch noch überraschend mit einer schwierigen Entscheidung konfrontiert: Der Zustand eines Patienten verschlechtert sich dramatisch oder ein Unfall ereignet sich, aber der Patient hat keinen Organspendeausweis. In diesem Fall müssen die Angehörigen - meist noch selber unter Schock - entscheiden, ob es der Wille des Patienten ist, seine Organe zu spenden. "Das ist eine schwere Entscheidung, denn ein Hirntoter sieht nicht tot aus.

Für die meisten Menschen ist Tod mit einem Leichnam verbunden, der nicht mehr atmet und bereits erkaltet ist. Das Bild eines Körpers, in dem noch Leben ist, überlagert das Wissen um die Diagnose Hirntod, die nur über den Verstand nachzuvollziehen ist. Da können nach der Zustimmung oft Probleme und Zweifel bei den Hinterbliebenen auftauchen", beschreibt Kalitzkus ihre Forschungsergebnisse.

Hinzu komme, dass nach der Zustimmung sehr schnell das medizinische Programm ablaufen müsse, um die Organe zu erhalten, den Angehörigen deshalb wenig Zeit und Ruhe zum Abschiednehmen bleibt. "Ich habe großen Respekt davor, wenn Angehörige im vollen Bewusstsein der Konsequenzen einer Organentnahme zustimmen, denn sie haben dann keine Zeit mehr, am Bett des Patienten zu sitzen und die Tatsache, dass er nun tot ist, langsam zu akzeptieren. Sie müssen zu Hause auf das Ende der OP warten. Später kann das Gefühl entstehen, sie hätten sich doch schützend vor den Toten stellen sollen. Und das kann für ihr weiteres Leben zu einer schweren Bürde werden."

Ein Konzept zur Lösung wäre, wenn der "Versorgungsauftrag Organspende" nicht nur eine Worthülse für viele bleibt, sondern beinhaltet wird? Kernpunkt kann sein: Bekenntnis zur Organtransplantation bedeutet: Ja, ich bin bereit ein Spenderorgan im Bedarfsfall anzunehmen - denn ich bin bereit Organspender zu sein.

Das eine sollte das andere voraussetzen.

Wer die "Sicherheit" der funktionierenden Organtransplantation für sich in Anspruch nehmen will - das sollte sein wie bei einer Krankenversicherung - der sollte auch die Bereitschaft zum "Beitrag" in diese Solidargemeinschaft mitbringen. Den Beitrag: Die Einwilligung zur Organspende. Dieser Grundgedanke - Solidargemeinschaft - wäre in das derzeitige bestehende Konzept - jeder kann beanspruchen, doch niemand braucht zu geben - einzubringen.

Der Anspruch auf Organempfang sollte zwingend voraussetzen, dass der zukünftige Empfänger vor seiner "Bedürftigkeit" zur Organspende selbst bereit war, dieser eingewilligt hatte. Diese Einwilligung sollte natürlich nicht erst kurzfristig erfolgt sein, dann wenn der künftige eigene Bedarf nach einem gespendeten Organ zu erkennen ist - Dieser "Spender" gäbe dann nur eine Scheineinwilligung: "Gebe kaputtes Organ gegen intaktes..."

Oft besteht auch die Bereitschaft zur eingeschränkten Organspende. Manche Bereitwilligen stören sich eventuell daran, dass "ihnen die Augen herausgenommen werden". Dem folgt ein Konzept unterschiedlicher Organspender-Solidargemeinschaften:

1. Universalspender - alles z.B. auch Augenhornhaut
2. Spezifizierte Spender - z.B. nur Herz, Niere

Der Anspruch auf Organempfang ergibt sich in Folge aus der Zugehörigkeit zur Spender-Solidargemeinschaft.

Die größtmögliche Selbstbestimmung ist damit eingeführt. Jeder bestimmt selbst, ob und an welche dieser sozialen, humanitären Gemeinschaft er sich anschließen will, mit allen Konsequenzen, auch im Hinblick einer sozialen Gerechtigkeit. Religiöse Gesichtspunkte bleiben zudem gewahrt: Wer aus religiösen Gründen kein Organ spenden will, der wird sicher aus demselben Grunde keines empfangen wollen.

Sollte sich darüber hinaus aus dieser Gemeinschaft kein geeigneter Empfänger für ein gespendetes Organ finden, weil der Typ nicht passt, dann sollte das Organ selbstverständlich auch möglichen Empfängern zur Verfügung stehen, die dieser Solidargemeinschaft nicht angehören. Aber erst dann.
*Dazu mal ein Buchempfehlung: "Dein Tod, mein Leben. Warum wir für Organspenden sind und dennoch davor zurückschrecken" ist im Suhrkamp-Verlag zum Preis von 8,50 Euro erschienen, ISBN 978-3-518-46114-3
IconKommentare

Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied22.10.2009 08:02
Ausweis

Mein Mann starb weil er zu spät ein Organ bekam. Ich möche keines , habe aber einen Ausweis. So ist es leider ... siehe meine Foren zu dem ähnlichen Themen.Aktive Sterbehilfe, Tabuthema Tod... Egoisten... sie betrifft es ja alle nicht.
 PIA  ζんノ
PIA ζんノ 22.10.2009 09:46
Egoisten???

........immer auch andere Meinungen akzeptieren, Milli.
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied22.10.2009 10:36
@Milli und Andere

Danke für Dein Kommentar, Deine Meinung. Ich erlaube mir dazu eine Ergänzung, einen Gedankenimpuls: Dein Hinweis auf den Tod Deines Mannes bestätigt den Mangel an der Spenderbereitwilligkeit und die oft fehlende Bereitschaft, dass man sich mit dem Thema auseinander setzt, beschäftigt. Mit/in einer Patientenverfügung kann man zudem seinen Willen erklären, ob man im Falle eines Falles selbst ein Organ erhalten möchte. Gleichfalls kann mit einer Patientenverfügung bestimmt werden, ob und wie eine Behandlung weiter zu führen ist, wenn der Patient lebenserhaltende Maßnahmen "im Ernstfall" nicht erwünscht, ablehnt.

Den auf jeden Menschen zukommenden Tod finde ich, ist für viele Menschen kein Tabuthema. Die Gedanken werden oft nur nicht "öffentlich herum getragen". Es liegt in der menschlichen Psyche, dass diese "Gedankenimpulse" von selbst statt finden. Jeder kann und hat sich dann damit "auf seine Art" zu beschäftigen. Die "Erinnerung" an den Tod als Folge der Geburt kommt spätestens mit der Kenntnisnahme des Versterbens eines anderen Menschen.

"@Oma Pia" hat sich dazu schon geäußert, dass man andere Meinungen akzeptieren sollte. Ich ergänze: Auch andere Einstellungen, sofern keine schädigende Wirkung auf Andere davon ausgeht. Die Bezeichnung "Egoisten" halte ich deswegen für etwas "unglücklich" und dient, da es als negativ provokant aufgenommen werden kann, sicher nicht der Sache.

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied22.10.2009 15:41
Ohne viel zu denken,

fühle ich, daß es richtig ist, einen Organspendeausweis mit sich rumzutragen. Und ich trage ihn mit mir rum, schon länger ;-)
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied22.10.2009 19:30
zu Organ-Spende

Ich finde den Artikel über Organ-Spende sehr gut.Mein Mann ist am 09.05.2009 an einer Lungenembolie gestorben,er hatte zwar Darmkrebs,Prostatakrebs, Asthma und Parkinson,ich weiss nicht ob man da noch etwas spenden kann,ich bin auch nicht gefragt worden,ich bin im Krankenhaus sehr schnell abgefertigt worden,da kam ich gar nicht dazu zu fragen.Ich bin für Organspende, ich habe auch seit der Wende einen Spendenausweis in der Tasche,wenn man einen kranken Menschen helfen kann warum nicht?
Alice B
Alice B22.10.2009 19:33
Spenderausweis

Ich gehöre zu den 20 %, welche die Organspende ablehnen. Was dafür die Gründe sind, muss und will ich hier nicht erläutern.
Aber auch dafür gilt: Den Spenderausweis bei sich tragen, denn man kann auch ausdrücklich darauf hinweisen, das man nicht spenden möchte.
Im Übrigen kann man auch in der Tasche eine Kurzform der Patientenverfügung lassen mit dem Hinweis, wo die ausführliche Patientenverfügung steckt.
Auf dieser Karte steht dann beispielsweise: keine lebenserhaltende Maßnahmen über eine Woche Koma- Organe Leber, Nierenspende gestattet. Andere Organe nicht. -beispielsweise.

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied22.10.2009 20:19
?

Mauz22.10.2009 19:33
Spenderausweis

Aber auch dafür gilt: Den Spenderausweis bei sich tragen, denn man kann auch ausdrücklich darauf hinweisen, das man nicht spenden möchte.

Es dürfen keine Organe entnommen werden, wenn man keinen Organspendeausweis hat.

Was soll dieser HInweis von Dir????


Alice B
Alice B22.10.2009 23:30
gern Maxie

Die Praxis sieht wie so häufig anders aus als die Theorie.
Gerade in den Krankenhäusern.

Aber so lange die Leute noch schmalzige Arztserien schauen, kann man hintenherum weiter einsparen.-)

Ich gehöre zu der Gruppe der Gegner.

Meine Bemerkung ist wichtig für jene, die ähnlich denken wie ich.

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied23.10.2009 00:03
Spenderausweis.

Den Spenderausweis habe ich hinten mit Tesa un meinen Personalausweis geklebt und einen anderen im Reisepass. So habe ich den immer dabei. Ich habe schon mal über die Zeitung, die einen Artikel über Spenderorgene brachte, den Vorschlag gemacht,dass man im Peronalausweis und Passport es vermerken sollte. Ein kleinen Herzchen oder was weis ich. Eine Resonanz habe ich nie darauf bekommen. Wahrscheinlich bin ich eh zu alt für eine Spenderniere oder was weis ich, aber dafür habe ich meinen Körper nach dem Tot der Wissenschaft testamentarisch vermacht. Die hülle ist eh nichts Wert und meine Seele wird sich einen neuen Körper suchen.
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied23.10.2009 06:09
Kann schon

verstehen, wie wichtig es ist, die Niere oder das Herz noch zu behalten, weil es sicher noch gebraucht wird ;-)) Dafür können ruhig andere Menschen sterben, die noch leben könnten, weil vielleicht noch so jung.

Nix für ungut, jeder muß das machen was er für richtig hält - nur darf erlaubt sein, nach dem Sinn zu fragen???

Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied23.10.2009 08:32
Pia

Ich akzeptiere wenn einer es nicht will, aber 80 % wollen ein Organ,
und 17 % haben den Ausweis, und dann sind der Rest schon Egoisten. Leichte Rechenaufgabe:-))

Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied23.10.2009 08:41
Spende?

Mein Mann wartete 10 Monate....es war die Hölle, und dann kam Sylvester, Weihnachten...man sagte uns, da bringen sich viele um.... mein Mann wollte auf diesem Weg kein Organ... die Zeit verging und es wurde immer enger...er sagte das Jahr 2000 überlebe ich nicht. Er überlebte nicht, er war dann schon zu krank, daß er 3 Wochen zuvor beschloß zu sterben. Er starb auf dem OP Tisch. Unerklärbares Herzversagen.Mit Top Herz... Er sagte mir er will so einschlafen....
Danach ging ich los, über große Tageszeitungen usw. setzte mich ein Spender zu finden, stellte mich auf die Straße....
nachdem ich 1000x extra blöd angesprochen wurde gab ich auf.
Beschloß ich will mal kein Organ..habe den Ausweis , basta...aber jemanden überzeugen.... nein...
Ich wäre für die Lösung der Österreicher... Widerruf...

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied23.10.2009 19:56
Das System Österreich

In Österreich ist jeder der sich in dem Land aufhält erst einmal ein potentieller Spender. Auch fremdländische Touristen. Es sei denn, der Widerspruch gegen diese nationale Bestimmung wird widersprochen.
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied23.10.2009 19:58
Pardon verschrieben

Richtig sollte es im Kontext sein: Es sei denn, der Widerspruch gegen dies nationale Bestimmung wurde erklärt (durch eine rechtsgültige Willenserklärung).
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied24.10.2009 19:16
Nein

Ich habe nichts gegen eine Organspende, aber das sollen meine Angehörigen erst entscheiden, wenn es soweit wäre.
Denn solange es noch möglich ist das einer ewig warten muss und ein Johannes Prinz von Thurn und Taxis innerhalb kürzester Zeit gleich 2 Herzen zur Verfügung gestellt bekommt traue ich diesen Ausweis nicht !!!

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied31.10.2009 19:25
Der Fall Rosi ...

Klarstellung vom Betreiber

Liebe Silbernetzwerk-Mitglieder,

nach ausführlicher Recherche bzgl. der Artikel von E. Leines möchten wir hier in der Öffentlichkeit mitteilen, dass alle Artikel rechtmäßig eingestellt sind und nicht gegen das Urheberrecht oder sonstige Nutzungsrechte Dritter vertößt. Die Anschuldigungen also nicht richtig sind.

Darüber hinaus möchten wir alle Mitglieder bitten solche Vermutungen, vor der öffentlichen Anschuldigung erst dem Betreiber mitzuteilen, damit wir diese Sachverhalte prüfen können. So können Eskalationen (im schlechtesten Fall: rechtliche Schritte) vermieden werden. Es ist also zum Schutz ALLER Mitglieder.

Euer Silbernetzwerk-Team

Rosi….
hatte in Kommentaren bei der Story „ Dunkle Jahreszeit beginnt - Gefahr von Wohnungseinbrüchen steigt!“ u.a. in Kommentaren behauptet, dies Artikel wurden von mir geklaut. Sie ergänzte, dass dies auch für die Story´s: „ Gedanken zur Organspende“ und „Genmais gefüttertes Wild auf dem Speiseplan – schädlich?“ gelten würde.

Auch auf eine Klarstellung zum tatsächlichen Sachverhalt rückt sie bisher nicht von ihren Verleumdungen und falschen Anschuldigungen ab. Nach Intervention hat die Geschäftsführung den Sachverhalt überprüft und sich zu der obigen Klarstellung veranlasst gesehen.


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