Ich lernte das Zuhören
Im Thema: Gesundheit
von: Evelyn Bay
erstellt am: 13.04.2011
von: Evelyn Bay
erstellt am: 13.04.2011
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Hier einige kleine Schlaglichter aus meiner Kur. Eine junge Dame sagte mir am Ende der Kur: "Denken Sie mehr an sich! Auch Sie müssen sich erholen. So können Sie doch nicht immer leben!"
Unwillkürlich musste ich lachen, denn so gut wie in diesen Wochen hatte ich mich noch selten erholt - und dabei so viel Freude gehabt.
Schon Monate vor der ersehnten Kur hatte ich sie mir - mitten im hektischen Alltag - in allen Einzelheiten ausgemalt: schlafen, ausspannen, frische Luft schöpfen - herrlich. Der Tag kam, ich reiste ab, und alle Pflichten vielen weg.
Die ersten Tagen verliefen genauso, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Doch dann wurde es langweilig. Lesen, spazierengehen und schlafen, das war zu wenig, um die Zeit zu füllen. Was tun? Ohne Begeisterung vergingen die Tage.
Warum mir gerade da einfiel, dass ich doch zusammen mit meinen Freunden zu Hause beschlossen hatte, uns mehr für unsere Mitmenschen zu engagieren, weiß ich nicht. Ich beschloss, einen Versuch zu machen - gleich beim anschließenden Kurkonzert. Ich sah mich um, setzte mich zu ein paar Damen, sprach sie an und versuchte, besonders freundlich zu ihnen zu sein, weil sie mir einsam schienen.
Dann folgte ein gemeinsamer Spaziergang. Es machte mir plötzlich Freude, die Leute zu grüßen; manche drehten sich um und grüßten zurück. Beim Folkloretanz am Nachmittag traf ich teilweise auf höchst originelle Gestalten. Obwohl die Fremdheit der anderen mich hier eher auf Entfernung gehalten hätte, überwand ich meine innere Distanz.
Als wir uns genug müde getanzt hatten, gingen wir mit einer Gruppe zum Tee trinken und kamen ins Gespräch. Es ist ja bekannt, dass man in Kuren leichter ins Gespräch kommt durch viele gleiche Erlebnisse. So war es auch hier, und ich versuchte, ihnen gut zuzuhören. Dann passierte etwas Eigenartiges: In der folgenden Zeit suchten viele meine Gesellschaft! Und ich lernte das Zuhören! Interessanterweise behaupteten manche, mit mir könne man sich gut unterhalten - dabei habe ich wirklich nichts gesagt, nur zugehört. Und bei allem musste ich auch darauf achten, dass die im Kurplan vorgesehenen Anwendungen und vorgeschriebenen Ruhezeiten eingehalten wurden.
Erst als der Abschied kam, merkte ich, dass doch viele Freundschaften unter uns entstanden waren. Und das "Ade" fiel uns gar nicht so leicht!
KommentareSherin *14.04.2011 22:17
Was Wunder, Evelyn...
Da ich auch in Reha war, kenne ich das genauso. Zu viert am Tisch und Jede hatte soooooviel zu erzählen, daß das Zuhören schöner war, als selbst zu reden.







