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Buch & Lesen

Jugenderinnerungen an Pirna


Im Thema: Buch & Lesen
von: Henry Ullmann
erstellt am: 28.05.2011

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Im Rahmen des 5. Klassentreffens der POS Sonnenstein habe ich mir seit langer Zeit Pirna angesehen, die Stadt wo ich viele Jahre meiner Jungend verbracht habe, die Erinnerungen will ich hier kurz wiedergeben, mehr gibt es auf meiner Website(alleinflie

Jugenderinnerungen an Pirna
Nach einer relative guten Nacht und einem ausgedehnten Frühstück wollte ich mir Pirna etwas genauer ansehen. Das Wetter hatte sich wieder erholt, es schien die Sonne, 9.17 Uhr bin ich mit dem Bus in die Stadt gefahren. Gespannt was mich erwarten wird, viele Erinnerungen hoffentlich und so war es auch.
Am Dohnaischer Platz stieg ich aus, hier auf der Breite Straße fanden die Umzüge zum 1. Mai statt, ich erinnere mich noch gut, dass ich hier als Kosmonaut neben einer Rakete hergelaufen bin, stolz wie ein Ritter in dem selbstgebastelten Kosmonautenhelm.
So groß ist Pirna nicht, ich hatte ca. 2 ½ Stunden Zeit, die Einkaufsmeile ist heute wie damals, die Dohnaische Straße, in den Gassen, Schmiede Straße, Schuhgasse, Schössergasse und Barbiergasse findet man kaum noch Geschäfte.
Was fällt mir ein, es gab einen Schneider, wo ich mir eine Schlaghose machen lassen habe, mein ehrwürdiger Vater fiel fast in Ohnmacht als er mich sah. Konnte es aber nun nicht mehr verhindern, auch mich haben die Beatles inspiriert. Oftmals habe ich auf meinen Vater gehört, aber nicht immer. Dann gab es einen Zigarettenladen, wo es einzelne Zigaretten zu kaufen gab, die man sich am stationären Gasanzünder sofort anzünden konnte, das haben wir insbesondere während der Lehrzeit genutzt, meine Berufsschule befand sich auch in Pirna.
In einer der Gassen befand sich eine Gasstätte Pferde – Hempel genannt, dort gab es Pferdebouletten mit Kartoffeln und Rotkraut zwei Stück für 0,70 DDR – Pfennige, nie wieder habe ich so etwas Leckeres gegessen. Das konnten wir uns als Schüler schon leisten, obwohl mein Taschengeld nicht so üppig war.
Weiter unten, fast an der Elbe gab es die Gaststätte „Zum Dampfschiff“, dort tranken wir unser erstes öffentliches Bier.
Noch etwas ist mir in guter Erinnerung, in einem schneereichen Winter mussten wir als Berufsschüler diese Straße vom Schnee befreien, indem der Schnee auf LKWs geladen wurde und der Schnee in die Elbe geschüttet wurde.
Ich kann nicht sagen, dass mich die Geschäfte umgeworfen haben, vielleicht bin ich auch etwas verwöhnt. Die Elbe hatte nicht viel Wasser, aber die Fähre fuhr noch, heut eine Motorfähre, früher war es eine Gierseilfähre.
Eine Gierseilfähre hängt an einem langen Drahtseil, das sich kurz vor der Fähre aufteilt. Ein Seilende ist am Bug und eines am Heck der Fähre befestigt. Verändert sich nun die Länge der Enden zueinander, verändert sich auch der Anstellwinkel der Fähre zum Strom, die Fähre ist motorlos. Der Druck des anströmenden Wassers drängt sie an das entsprechende Ufer. Das Drahtseil wird im Fluss selbst verankert und für die Schifffahrt mit Bojen markiert. Damit die Fahrrinne frei bleibt, liegt der Anker für das Drahtseil nicht in der Flussmitte. Ich genoss die Aussicht in Richtung der Gasstätte „Schöne Höhe“, Erinnerungen ja, hier oben gab es einen Wanderweg, wo ich meine Tanzstundenpartnerin wohl zum ersten Mal geküsste. Damals gab es so etwas noch, ich meine die Tanzstunde, mit Abschlussball und Abholung der Partnerin bei ihren Eltern, was für Zeiten. Die Tanzstunde fand damals in Heidenau statt, ich hatte schon ein Motorrad, da war man schon wer, nicht jeder konnte so etwas vorweisen. In Heidenau habe ich auch den Beruf des Elektromonteurs gelernt, im VEB Reifenwerk Heidenau.
Meine ersten Tanzstunden standen unter keinem guten Vorzeichen, ich hatte keine feste Tanzpartnerin, mir wurde immer eine zugeteilt, die übrig war. Ich hatte damals schon so meine Probleme mit den Mädels, bis plötzlich ein Mädel erschien, die wegen Krankheit am Anfang nicht anwesend sein konnte. Eine wirklich hübsche Erscheinung, nun waren ich mit ihr zusammen. Mein Problem war damals, dass mir das Motorrad und die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) wichtiger war, wer weiß was aus uns geworden wäre.
Ich habe mit der Fähre übergesetzt, leider war der Blick auf den Sonnenstein mit Canaletto Weg sehr eingeschränkt. deshalb habe ich mir später eine Ansichtskarte mit dem Bild Stadtansicht von Pirna um 1754 gemalt von Bernardo Belotto genannt Canaletto.
Zurück mit der Fähre und anschließend bin ich rechts von den Bahnschienen Am Zwinger in Richtung Markt gegangen. Auch hier konnte ich Erinnerungen wiederfinden, am Steinplatz befand sich der „Rummel“ von Pirna, ein Anziehungspunkt der Jungend. Diese Feste waren uns eine willkommene Ablenkung.
Durch die Badergasse ging meine Sightseeing weiter zum Marktplatz mit dem schönen Rathaus, ein wirklich gelungenes Kleinod in Pirna. Ich erinnerte mich an ein großes Bekleidungsgeschäft direkt am Markt und an den Motorradladen in der Marktgasse, beide nicht mehr vorhanden. Dort wo ich damals meine Zierfische gekauft habe ist jetzt die Touristinformation beheimatet. Hier gönnte ich mir eine kurze Verschnaufpause.
Weiter führte mich der Trip durch Pirna, einige Sachen vergisst man nicht, zum Beispiel den Erlpeterbrunnen. Der Erlpeter ist eine historische Brunnenfigur. Die alte Figur fiel 1639 dem "Pirnaer Elend" zum Opfer, eine neue wurde dann nach alten Aufzeichnungen neu geschaffen und 1908 aufgestellt. Die erstmalige Erwähnung war im Jahr 1468. Die eigentliche Quelle entspringt dem Schlossberg. Der Erlpeter ist eine Knabengestalt und hält eine Flasche, aus der das Wasser fließt, in der Hand. Auf dem Sockel, an dem ein Frosch hinauf klettert, steht folgender Spruch:
“Der Erlenpeter bin ich genannt,
Armen Leuten wohl bekannt.
Wer nicht Geld hat in seiner Tasche,
Der trinkt mit mir aus meiner Flasche.”
Die Pirnaer wissen um die Qualität und den guten Geschmack des Wassers und holen sich ihr Kaffeewasser vom Erlpeter. Ich weiß um die Qualität des Wassers, nur war es vom Sonnenstein wo ich wohnte zu weit bis zu Brunnen, aber heute nahm ich schon einen Schluck.
Von hier geht die Treppe zur Schlossschenke hoch, wo wir auch schon ein Klassentreffen gemacht haben und man kommt weiter zum Sonnenstein, vorbei an unserer alten Schule. Die Treppe ist gesperrt, weil oben umfangreiche Baumaßnahmen stattfinden, denn in die Schule kommt das Landratsamt von Pirna.
Mein nächstes Ziel war die Gasstätte „Zur Tanne“, die geschlossen hat, es soll sich aber etwas tun in der Zukunft, sagt mein Schulfreund. Es sieht schon alles ziemlich verfallen, ob die Tannensäle überhaupt noch existieren konnte ich nicht erkennen. Hier in dem Saal fanden die Jugendweiheveranstaltungen statt, die Gaststätte wurde ebenfalls bei Feierlichkeiten genutzt. In den Tannensälen fanden aber auch Tanzveranstaltungen satt, noch mit einer richtigen Kapelle, schöne Erinnerungen habe ich auch daran. Da gab es einmal ein tschechisches Mädchen aus Liberec, ein super Abend. Vom Sonnenstein war die Tanne nicht so weit, man brauchte nur die Treppen hinunter gehen, die ausgetretenen Stufen wurden jetzt entfernt und neu gestaltet. Der Bäcker Bradel gegenüber der Tanne existiert nicht mehr, in dem Laden befindet sich jetzt irgendeine Firma. Für mich und andere Schüler war der Bäcker die letzte Instanz vor der Schiller Oberschule. In der POS wurde nur bis zur 8. Klasse unterrichtet, das 9. und 10. Schuljahr mussten wir in die Schillerschule unten in gehen und wurden in zwei Klassen aufgeteilt. Damals spielten sich dramatische Szenen ab, die Lehrer brachten es tatsächlich fertig, langjährige Freundschaften zu trennen. Ob bewusst oder nicht, ich weiß es nicht, meine beiden Schulfreunde gingen jedenfalls in die Parallelklasse. Mir fiel es am Anfang ziemlich schwer damit zurechtzufinden. Zu allem Unglück musste ich auch noch in der ersten Reihe sitzen, ich habe es überstanden, es gab neue Freundschaften.
Die Schillerschule war nun auch das nächste Ziel, die Schule stand zwar noch, aber sie hieß jetzt Lessingschule, hat denn der alte Schiller die Wende nicht überlebt, wie so vieles. Der Eingang war verschlossen, sonst hätte ich meinem Klassenzimmer einen Besuch abgestattet. Vielleicht hole ich das einmal nach, ein Kurztrip nach Pirna ist schon noch einmal möglich.
Zeit hatte ich noch genug, deshalb bin ich über die Grohmannstraße zur Gartenstraße gelaufen, da fiel es mir sofort wieder ein. In der Grohmannstraße gab es einen Frisör, heute existiert der Laden immer noch. Ich war nie ein Freund der Frisöre, habe schon als noch kleineres Kind, das Geld für Süßigkeiten ausgegeben. So fröhlich war es nämlich nicht, wenn man keine Beziehungen hatte. Auch hier in Pirna wurde ich als Schüler in dem Salon nicht wahrgenommen, es dauerte Stunden bis ich endlich dran kam. Nebenbei wurde ich auch noch verhöhnt, wegen meiner Frisur, “ Bist Du ein Junge oder ein Mädchen, hier ist nämlich der Herrenfrisör!“
In der heutigen Gartenstraße befand sich das zweite Kino UT – Kino heute Filmpalast, hier habe ich die ersten Western, die Musketiere und einen Stummfilm gesehen, bei dem mir die Bauchmuskeln am nächsten Tag noch weh taten.
Damit war fast alles gesehen, in der Jacobäerstraße Ecke Donaische Straße habe ich im Straßencafé eine Eiskaffee getrunken, anschließen bin ich zur Bushaltestelle in der Breite Straße gelaufen, um mit dem Bus kurz vor 12.00 Uhr wieder zurück zum Hotel gefahren.
IconKommentare

jim beam
jim beam29.05.2011 19:19

das lese ich nicht..

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