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Buch & Lesen

Kein Dach über dem Leben - Containerdorf der obdachlosen Frauen in Hamburg, - Teil 3


Im Thema: Buch & Lesen
von: Petra Kallenbach
erstellt am: 22.09.2011

37 Bewertungen: (ø 3.1)
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341 mal gelesen


- DER SCHWALBENSCHWANZ - Eine Geschichte, geschrieben und erarbeitet gemeinsam mit den wohnungslosen Frauen im Containerdorf. - Hier könnt Ihr sie lesen:

D E R S C H W A L B E N S C H W A N Z

Da saß er nun, mitten in einem Strauch in Hamburgs Wallanlagen. - "Planten un Blomen" hatte er immer schon gemocht und so manche Mittagspause hier verbracht.

Das letzte, woran er sich erinnern konnte, war die Sitzung der Vorstandsmitglieder der Bank für die er seit nunmehr 30 Jahren arbeitete.- Moritz Jensen zu Hummelsbüttel (zu Hummelsbüttel war angeheiratet), führte ein strenges Regiment als Bankdirektor. Im befehlen und herumkomandieren war er groß. Untergebene wurden von im schikaniert, bis sie nicht mehr konnten und schließlich eiskalt abserviert. - Er wollte gerade zum Telefonhörer greifen, als ein heftiger Schmerz seinen Körper durchzuckte. - Danach spürte er nichts mehr....

In einer Art festem Kokon steckend fand er sich bewegungslos wieder. Gerade wollte er etwas sagen, doch sprechen konnte er auch nicht. Selbst die Arme funktionierten nicht mehr, denn er hatte nämlich garkeine. - Ein Drama...., wie sollte er jetzt zum Telefonhörer greifen mit seiner lauten, donnernden Stimme Befehle erteilen? - Doch plötzlich kam Bewegung in seinen plumpen Körper. - Die ihn umschließende Hülle schien förmlich zu zerplatzen, der Schleier darunter löste sich ab ... und dann.... , er hatte jetzt wieder Beine. Doch derer waren es viele. - Etwas später auch Arme... - Nein, es waren keine Arme. Es waren Flügel! - Bandirektor Jensen zu Hummelsbüttel, der Big Boss ein Engel??? - Nein...., er sah an sich herunter und betrachtete fasziniert seinen neuen Körper. Zartgelbe Flügel mit schwarzgemustertem Rand. - Er war soeben als Papilio Machaon, wunderschöner Schwalbenschwanz - Schmetterling wiedergeboren. - Na, da habe ich ja noch mal Glück gehabt, dachte er. Es hätte auch schlimmer kommen können. Und doch...., fehlte da nicht irgendetwas? - Wo waren denn die leutenden Farben, Punkte, Flecken und so weiter? - Hm...., wieso..., er dachte noch nach, als er plötzlich von irgendwoher eine Stimme hörte. Diese sagte streng: " Die farbigen Punkte und Flecken musst Du Dir erst noch verdienen, Jensen!" -" Jensen....", so distanzlos hatte lange niemand mehr mit ihm gesprochen. Er sah sich um.- Weit und breit niemand zu sehen. - Da wurde ihm bewusst, dass es seine innere Stimme war, welche da zu ihm gesprochen hatte. Ihm wurde bewusst, das er etwas gutzumachen hatte an den Menschen. Er flatterte los, um seine neue Mission wahrzunehmen und Punkte zu sammeln.

Conny (Studentin): Lisa saß im Klausurensaal der Uni und schrieb eine ihrer Abschlussarbeiten in Jura. Es war stickig und warm in dem tristen Raum, das Fenster stand offen. Bald war es geschafft und ihre Eltern würden zufrieden sein. Ihre Tochter eine Juristin! der ganze Stolz der Familie Brinkmann. - Und dann? - Sie mochte garnicht weiter an den verhassten Beruf denken. Ja..., der hübsche große hellgelbe Schmetterling, der dort draußen zwischen Baum und Fenster durch die Luft tanzte und wirbelte. Er hatte es gut.... - So glücklich und ungezwungen wäre sie auch gerne. Dieses war aber schon lange nicht mehr der Fall. - "Mein Gott", dachte sie, "was mache ich hier...wo sind meine Träume geblieben ?" - Immer hatte ich mir gewünscht ein kleines Cafe zu eröffnen... - "Warum nicht jetzt?", dachte sie und klappte gräuschvoll ihr Heft zu. Sie stand auf und verließ den Raum mit den Worten: "Tschüß, ich komme nicht zurück!!!"

Moritz Jensen zu Hummelsbüttel, im früheren Leben Bankdirektor, hatte seinen ersten Punkt verdient. Er flog weiter und besah sich die Welt von oben um zu schauen, wo er helfen konnte.

Rosi (Containerbewohnerin): - In einer hessischen Kleinstadt saß ziemlich betrübt Luise in einem Straßencafe und ließ das Leben an sich vorbeiziehen. Ihr Einkommen, es war nicht hoch, sie war fast ihr Leben lang Hausfrau gewesen. Aus eben diesem Grunde teilte sie sich mit ihrem Cousin eine Wohnung. - Arthur meinte, sie solle doch froh sein darüber, es sei schließlich eine Gnade, dass sie mit ihm die Wohnung teilen dürfe. - Alle anstehende Arbeiten, wie das Kochen, Waschen, Bügeln, saubermachen und Einkäufe anschleppen, das war allein Aufgabe von Luise. Ihre Rückenschmerzen und ihr künstliches Kniegelenk waren für Arthur kein Hinderungsgrund.- Auf ihrer Stuhllehne hatte indess Schwalbenschwanz Jensen Platz genommen. Jetzt flatterte er auf Luises Brillenrahmen und machte auf etwas aufmerksam. Luise wollte ihn gerade vertreiben und richte ihren Kopf in Richtung Straße, als ein bunter Reisebus mit der Aufschrift: SCHMETTERLINGSREISEN, vorbeifuhr. -" Das könnte es sein", dachte sie. "Reisen, wohin es gefällt und bleiben, solange es gefällt." - Sie bezahlte, stand auf und beschloß spontan zur Bank zu gehen und dort ihre Ersparnisse, von denen ihr Cousin nichts wusste, abzuholen und einfach in einen Zug ihrer Wahl zu steigen. - Gut gelaunt sah sie dem davonfliegenden Schmetterling nach und jubelte unter den erstaunten Blicken der Menschen: " Danke!!!"

Starker Regen kam auf und Schmetterling Jensen überlegte, wo er unterkommen und seine zarten Flügel, welche jetzt schon zwei blaue Punkte hatten, zu schützen. Suchend flatterte er umher und fand schließlich Unterschlufp im S- Bahnhof Altona, wo sich gerade folgende Katastrophe ereignete:

Erna (Containerbewohnerin): - Es war Feierabendzeit. Dicht an dicht schoben sich die Menschenmassen in Richtung Rolltreppe zur S-Bahn. Auch Erna, bepackt mit zwei Einkaufstüten,bestieg soeben die Rolltreppe. Urplötzlich verspürte sie von hinten einen Schlag und geriet ins Taumeln.- An ihr vorbei raste in Windeseile ein Jugendlicher, welcher die einfahrende S-Bahn noch erwischen wollte. Unter Erna schwankte die Metallltreppe, sie verlor jeglichen Halt und drohte zu fallen. - Gerade in diesem Moment flog Falter Moritz in den Bahnhof ein. - Wie sollte er, ein Schmetterling nur helfen und den Sturz verhindern? - Er nahm all seine geistigen Kräfte zusammen und verwandelte sich in diesem bedrohlichen Moment in eine junge Dame. Sie fing die lansam zu Boden gehende Erna auf und hielt sie ganz fest im Arm. - Wäre dieses kleine Wunder nicht geschehen, so wäre die alte Dame kopfsüber die fahrende Rolltreppe hinuntergestürzt. - Doch als Erna sich eben noch bedanken wollte, war die junge Dame schon verschwunden.- Nur ein wunderschöner Falter mit bunten Punkten saß auf ihrer Schulter. - " Sachen gibt es", dachte Erna verwirrt und stieg in die gerade angekommene Bahn. - Der Schreck steckte ihre noch lange in den Gliedern.

Phuuu......, dachte Ex - Boss Jensen. - das ist ja gerade noch einmal gut gegangen. Er schüttelte die Regentropfen von seinen Flügeln und sah an sich herunter. Soeben waren zwei leuchtend rote große Punte auf seinem Gewand erschienen und auch seine Unterseite war von bemerkenswerter Schönheit.

Diese sind nur einige von vielen Geschichten, wo der Papilio Machaon am Schiksalsrad gedreht hat. - Er war jetzt fast 3 Wochen alt und seine Tage waren gezählt. - Über diese Erlebnisse hinaus hatte er sich selbst vergessen und nicht für die Sicherstellung seiner Nachkommenschaft gesorgt. - Und noch etwas: Er hatte gerade einen Riesenhunger. Aus diesen Grunde beschloss er in den ihm bekannten Park "Planten un Blomen" zurückzufliegen. - Dort flog er von Blüte zu Blüte und trank mit seinem Saugrüssel von dem süßen Necktar. Ja, er flog vor lauter Übermut regelrechte Kunstflüge und merkte nich, dass es jemand auf ihn abgesehen hatte. - Dieses war ein fataler Fehler! Eine Hornisse stürzte sich auf ihn und hatte ihn ruckzuck im Würgegriff. Da nützten auch die neuverdienten roten Augenpunkte zur Abwehr von Feinden nichts. - Voll in der Gewalt der Hornisse, dem Tode nahe, sah er plötzlich auf der Bank beim Troparium ein ihm bekanntes Gesicht. Es war Chiara, die ehemalige Praktikantin der Bank in der er früher der Boss war. - Schon damals hatte er sie sehr gerne gemocht und immer gedacht: Jünger müsste man sein..., jünger und mit einer Frau wie Chiara noch einmal ein neues Leben anfangen.- Soeben zuende gedacht passierte das unglaubliche: - Als Eisverkäufer einem mobilen Eiswagen in Richtung eben jener Bank schiebend fand er sich vor Chiara wiede. Er hörte sich sagen: " Eine Bullenhitze heute!" - "Darf ich ihnen ein Eis spendieren, Fräulein Chiara?"- "Oh", lächelte ihm dieselbe entgegen, "wie komme ich zu der Ehre und woher kennen sie meinen Namen?" "Wer sind sie?" - Gerade wollte er: "Gestatten, Jensen zu Hummelsbüttel", sagen. Doch dieser Name hatte für ihn keine Bedeutung mehr und er entgegnete: " Ich bin Moritz der Falter, ähmmm..., Entschuldigung, Moritz Falter.- Ach Quatsch, einfach nur Moritz!" - Einige Wochen später wurde aus der jungen Chiara und Moritz ein Paar. - Und wenn er auch in seinen Dasein als Schwalbenschwanz - Scjhmetterling nicht für Nachwuchs gesorgt hatte, so hat er dieses im jetztigen Leben mit der jungen Frau reichlich nachgeholt.

J e d e r M e n s c h v e r d i e n t i m L e b e n e i n e z w e i t e C h a n c e u n d s o m a n c h e r b e k o m m t w i e m a n h i e r s i e h t a u c h n o c h e i n e d r i t t e .....



IconKommentare

jim beam
jim beam25.09.2011 17:50
ich

weiß nicht was soll es bedeuten
Petra Kallenbach
Petra Kallenbach29.09.2011 09:30
Was es bedeuten soll....

Hallo Jimmi,

du hattest ja meine 2 vorangegangenen Berichte über das Containerdorf der obdachlosen Frauen 1+ 2 gelesen und auch kommentiert. - Dieses ist das Ergebnis eines meines halbjährigen Pilotprojektes: Sozialarbeit mit benachteiligten Randgruppen. - Die Geschichte wurde erarbeitet unter meiner Anleitung mit Frauen, welche sonst auf der Straße leben, geschrieben.

Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied09.10.2011 08:03
phantasievolle

kurzgeschichte :-)
gefällt mir sehr...nur mit der zweiten, manchmal dritten chancen...manchmal noch mehreren, das ist ja schon ein dings.
ich bin knallhart. bei mir nicht jeder bekommt eine neue chance.
es kommt drauf an, warum und ob überheupt.
alles ist ein komplot früheren erreignissen.

aber schöne geschichte. von mir ******************************5

Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied24.11.2011 18:57
;o))

Schön!!

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