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Kultur

Kein Dach über dem Leben - Hamburgs wohnungslose Frauen aus dem Containerdorf der Hochschule für angewandte Wissenschaften


Im Thema: Kultur
von: Petra Kallenbach
erstellt am: 25.02.2011

24 Bewertungen: (ø 3)
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481 mal gelesen


Obdachlosigkeit, kein Thema für Menschen, die nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauen.....

In Hamburg sind über 22% der Wohnungslosen, Frauen. Die Dunkelziffer ist groß, das Thema ist dem Staat unbequem, und Geld dafür ausgeben will er auch nicht. Deshalb sind die Gründe, wie es zu so einem Zustand kam, weitestgehend unbekannt in den Statistiken - Frauen sind anders obdachlos als Männer. -Sie möchten nicht gleich auffallen und sehen aus, wie die, welche uns täglich überall im Vorbeigehen begegnen, ganz normal. Wirtschaftliche Not, häusliche Gewalt, Sucht und Krankheit oder einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände mögen dazu geführt haben.

Über den Fernsehbericht beim N D R bin ich zu meinem Leseprojekt gekommen. - Es wurde per Plakat angekündigt: Geschichten aus dem Leben " Wie das Leben so spielt". Am 23. Februar war es dann soweit: Die erste Lesung aus dem Buch, an dem ich gerade schreibe, eine Mischung aus Mystery, Märchen und dem realen Leben fand statt.

Morgens bei -7°im Containerdorf angekommen, wurde ich schon erwartet. Es roch nach Kaffee, kekse standen auf dem Tisch und Teelichter verbreiteten ein warmes Licht. Die Frauen sahen mich erwartungsvoll an. - Zunächts habe ich mich dann vorgestellt und etwas aus meinem Leben erzählt: Auch ich war in den 70er Jahren einmal 6 Wochen ohne Wohnsitz. - Nach meiner Ausbildung zur Kunstgewerbekauffrau bin ich ja um mir auf preiswerte Art und Weise die Welt anzusehen als Stewardess zu See gefahren, vorwiegend in Süd- und Mittelamerika und Afrika. Eines Tages wurde ich trotz Impfung schwer krank , Malaria Quartana. Mehr als ein halbes Jahr habe ich in Mombasa im Katharina Bibi - Hospital in einem Saal mit ca. 25 Frauen gelegen. In Hamburg angekommen musste ich mich im Tropeninstitut melden und bekam die Gesundheitskarte für die Seefahrt micht mehr. Mein Krankenkengeld musste erst beantragt werden und eine eigene Wohnung hatte ich nicht, in der Seefahrt ist man an Bord gemeldetund in Hamburg kannte ich keine Menschenseele. Meine Mutter in Westfalen (neues Haus, neuer Mann ) wollte mich nicht länger als 2 Tage aufnehmen. Zunächst wohnte ich dann in einer billigen heruntergekommenen Pension (DM 35,-- pro Tag), als Sicherheit nahm der Vermieter mir den Pass ab. Um das tägliche Geld herbeizuschaffen arbeite ich in einer Bar, schlimm, denn ich bin kein Nachtmensch und für die Gastronomie gänzlich ungeeignet. Ich habe Glück gehabt, nach 6 Wochen hatte ich einen neuen Job bei einem Auktionator in Hamburg und auch eine Wohnung, denn das Krankengeld war eingetroffen.- Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter, wenn ich daran zurück denke. Noch viele Jahre habe ich Alpträume davon gehabt!

Danach habe ich den Frauen dann die Einleitung zu meinem Buch vorgelesen und die erste Episode. Es war ganz still im Raum. - Als ich die Frauen fragte, ob ihnen dieses gefiel und ich am nächsten Mittwoch wiederkommen solle, nickten sie eifrig mit dem Kopf. Das Eis war gebrochen und wir redeten noch ein wenig über dies und das. - Am Abend vor der Lesung kamen bei mir noch soetwas wie Berührungsängste auf (was soll ich mit denen reden, wenn ich nicht lese..), diese waren Gott sei Dank unbegründet, das hatte ich ganz gut gemeistert.

Mein Buch umfasst zur Zeit 8 Geschichten die jetzt einzeln jeden Mittwoch vorgelesen werden. Das sind 2 Monate " Abtauchen in eine andere Welt". Und dann? - Dann ist Frühling und sicher schon schöneres Wetter.

Die Frauen, die ich sah, sind starke Frauen und ich wünsche jeder einzelnen alles Gute.....
IconKommentare

Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied27.02.2011 09:53
Es

gibt in München insgesamt fast keine Wohnungen.Nicht mal mit Beziehungen zum OB. Es gibt oft besch....Situationen.... aber das macht hart:-))
Klaus Dieter
Klaus Dieter27.02.2011 10:17
Das

hast Du schön geschrieben und der Staat versagt in sozialen Sachen einfach. Aber schön das Du so ein Thema aufgreifst.
Inaktives Mitglied
Inaktives Mitglied28.02.2011 15:25
Die Frage

die sich mir stellt:
Wie konnte es geschehen, dass wir eine so familienlose Gesellschaft geworden sind?
Kann der Staat sich wirklich um jedes einzelne Bett kurzfristig für heute Nacht kümmern?
Ein neues Haus, ein neuer Mann hindert eine Mutter daran, ihre Tochter aufzunehmen - für mich unvorstellbar, tut mir leid.

Klaus Dieter
Klaus Dieter28.02.2011 19:36
Der

Staat kann und muss sich bewegen,es gibt genug Leerstehende Hallen und Häuser die dafür fertiggemacht werden können.Aber da wird kein Geld für ausgegeben.Die Gesellschaft ist leider sehr teilnahmslos geworden und es will keiner wahrhaben.
kalle wirsch
kalle wirsch02.03.2011 10:09
so

lange wir 200 Milliarden in Kriegshandlungen stecken(Verteidigung der Demokratie am Hindukusch)so lange werden in Deutschland Menschen mit staatlicher Legitimation verhungern und diskriminiert
Gesperrtes Mitglied
Gesperrtes Mitglied12.03.2011 13:00
Stimmt Kalle! Leider.

diese leerstehenden Häuser würden die Wohnungslosen, denn nicht alle sind Säufer oder "Penner" wieder wohnbar machen.
Aber die, die die Hand darüber haben, lassen diese fest zu.
Lieber leerstehend und abschreiben als helfen zu wollen!


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