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Kultur

Lass dich nicht von den Wölfen fressen....


Im Thema: Kultur
von: Falkin Lilly
erstellt am: 23.05.2010

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...ein Pfingstausflug

Ein Pfingstsonntag, der ganz besonderen Art. Um 6.30Uhr kitzelte mich die aufgehende Sonne wach. Aufgestanden, Rolladen hochgezogen, das Fenster weit geöffnet, Musik angemacht und zum Sonnenbad wieder ins Bett geschlüpft. Was für ein wunderschöner, sonniger Morgen.

Später höre ich wie immer meinen Lieblingssender HR1. Dort wird gerade das Sonntagsthema eröffnet. Blüten, Blühen, das Erblühen….das ist heute das Thema.
Dass auch wir Menschen mit unserer Lebenserfahrung vor Glück erblühen können, ist mir nicht fremd. Auch dass die Pflanzen die Blüten nur deswegen hervorbringen, um die Bestäuber anzulocken….kannte ich bereits….lausche aber doch ganz interessiert den ganzen Abhandlungen.

Plötzlich fällt es mir siedendheiß ein. Pfingsten…Rhododendronblüte….ein Schlossgarten ganz in meiner Nähe….das ganze Jahr vor neugierigen Blicken durch Tore und Zäune geschützt…lädt zweimal im Jahr zum Besuchen ein.

Pfingsten…die Schönheit der uralten Rhododendren in ihrer ganzen Blütenpracht und im Herbst zum gräflichen Schlossfest.

Ich muss da unbedingt hin…geht es mir durch meinen Kopf.

Das letzte Jahr wurde ich von meiner Freundin im Schlosspark eingeführt. Im Herbst bin ich an liebevoller Hand durch Verkaufsstände und Park geschlendert und habe die fürstliche Familie gesehen.
Und heute hat der Besuch wieder eine andere Qualität. Heute bin ich mit mir und meinen Gedanken alleine.

Zuerst zieht es mich in den Innenhof des Schlosses. Wie verändert doch alles ist.
Die uralten Bäume, die letztes Jahr hier noch Schatten spendeten, an deren rissiger Borke sich die Kletterrosen rankten und eine Blütenpracht zauberten….sie sind verschwunden.
An deren Stelle versuchen nun junge Platanen mit ihrem Wurzelwerk Anschluss zu bekommen, heimisch und sehr alt zu werden.

Die Sonne brennt vom blauen Himmel und so kommen die Verkaufsstände gerade recht. Eine eisgekühlte Apfelsaftschorle gegen den Durst und eine Brezel gegen den Hunger und schon geht es mir besser.

Weiter geht es auf dem Weg zu den Rhododenden an den Teichanlagen vorbei.
Die Menschen sind vom Anblick des Wassers ganz begeistert.
Ein Meer von Seerosen wartet schon seit Tagen auf die wärmenden Sonnenstrahlen. Die gelben Köpfchen der kleinen Wasserrose strecken sich dem Sonnenlicht entgegen. Bald werden alle blühen und den Teich in einen gelben Teppich verwandeln.

Froschgequake zieht die Menschen in ihren Bann. Kann man hier in Ufernähe doch die grünen Hüpfer beobachten, wenn sie auf dem Seerosenblatt ihr Sonnenbad nehmen. Umschwirrt wird alles von den verschiedensten Libellenarten. Ein Gedankenruf geht durch meinen Kopf. …..Aeshna…kleine, farbenfrohe, blaue Libelle, vor zwei Jahren hast du kurz auf meinem Knie ausgeruht.

„ Eine Schlange, eine Schlange….“: ein Ruf aus Kindermund lässt die Menschen von der Brücke ins Wasser starren, wo eine kleine Bachnatter schwimmend das nächste Ufer ansteuert.

Nun sind die Rhododendronbüsche nicht mehr weit. Es leuchtet dunkellila, helllila, rosa, weiß, magentarot….ein Farbenrausch. Und die Besucher sind begeistert, halten diesen Anblick mit der Kamera fest. Mal ist sie klein wie eine Zigarettenschachtel, die kleine Digitalkamera….mal hängen sie schwer um den Hals, wie ein Kartoffelsack…die großen Kameras mit den Extraobjektiven. Ohne Kamera geht keiner mehr aus dem Haus. Canon, Nikos, Olympus und wie sie alle heißen, heute werden sie ausgeführt. Fangen die Szenen ein, die sich so bieten.
Die Blütenpracht im Ganzen, im Ausschnitt oder im Einzelnen. Das Lächeln der Liebsten, den grünen Frosch auf dem Seerosenblatt, die Familie auf der Campingdecke.
Die Motivation zum Fotografieren ist groß, sind doch die Motive in der Überzahl.

Rote Farbtupfer auf und am Rande der Wiese. Da stehen sie, knorrig und klein, schmal und bizarr, groß und mächtig, dünn und fiedrig. Der wunderschöne, rotblättige, japanische Ahorn in seiner Artenvielfalt kommt in meinen Focus. Noch vor kurzem konnte man diese kostbaren Juwelen preiswert bei Aldi oder LIDL erwerben.

Am Ende des ganzen Weges streift süßer Karamellduft meine Nase. Da vorne am Kinderkarusell wird Zuckerwatte und Gebrannte Mandeln hergestellt. Und da steht auch der mobile, italienische Eisverkäufer mit seinem alten VW- Bus. Auf ein leckeres Eis habe ich jetzt auch Appetit, als in meiner Tasche das Handy bimmelt.

„ Lass dich nicht von den Wölfen fressen“, steht da unter anderem auf der SMS.

Welche Wölfe, geht es mir durch den Kopf….weit und breit kein Wolf in Sicht. Steh mal wieder völlig auf dem Schlauch, bis ich den Zusammenhang verstehe.

Der volle Name des Schlosses, das mich heute mit seiner Blütenpracht so in den Bann gezogen hat, ist „ Schloss Wolfsgarten in Langen“.

Und ein Schmunzeln zieht über mein Gesicht. Natürlich habe ich mich nicht fressen lassen…wie könnt ich sonst auch diesen Artikel schreiben…an diesem sonnigen Pfingstsonntag in diesem Jahr.

Marlies
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