Lieber arm dran......als Bein ab.
Im Thema: Hobby & Freizeit
von: Falkin Lilly
erstellt am: 24.11.2011

von: Falkin Lilly
erstellt am: 24.11.2011

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Die blaue Stunde....oder Hermann Hesse und Sidharta
Na endlich hast du mal wieder Zeit für mich.Mein Name ist „Blaue Stunde“…“Parallelwelt“, „Leichtigkeit“ und
„Zeitlosigkeit“.
Ständig bist du nur am Arbeiten, neun Stunden, stehen, hetzen, für das
wenige Geld.
Schicke dir schon seit vielen Monaten die Signale. Schmerzen am Fuß, Schmerzen beim Gehen, Schmerzen beim Stehen.
Doch du hörst einfach nicht.
Wickelst den Fuß, bandagierst und cremst, anstatt meine Signale richtig zu deuten.
Gehst zum Arzt, lässt die Einlagen verschreiben ohne Sinn und Verstand.
Trägst dein sauer verdientes Geld, das du mit neun Stunden stehen verdient hast, zum orthopädischen Schuhmacher. Bezahlst fast 300 Euro für diesen Spaß. Legst jeden Dienstag deinen Fuß in die Hände des Knochenbrechers.
Er renkt und zieht und zerrt und gibt dem Schmerz die volle Breitseite.
Nach diesem Zieh-Zerr-Renk-Quetsch-Knetschmerz ist der andere Schmerz gar nicht mehr zu spüren.
Tolle Art, mit meinen Signalen umzugehen.
Muss ich dir erst eine Bronchitis schicken, dich an deinem Traumwochenende ans Bett fesseln, das du wieder beginnst, klar zu denken.
Hab dich nicht einmal mehr tanzen lassen, deinen Herzenswunsch eins ausgewischt.
Wenigstens hast du dir den gelben Zettel beim Arzt geholt und kannst dich wieder mit mir verbinden.
Ja…die Blaue Stunde, du findest sie nur am frühen Morgen. Die Träume haben den Gedankenmüll verbannt. Jetzt fliegen wieder die klaren Gedanken, wie bunte Schmetterlinge durch den Raum.
Der Körper sitzt entspannt im warmen Bett. Die Augen nehmen draußen den anbrechenden Morgen wahr.
Obwohl die gleiche Blickrichtung, ist doch der Morgen immer irgendwie anders.
Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, die Wipfel der Bäume präsentieren sich ständig in einem anderen Licht.
Mal kitzelt die Sonne an der Nase.
Mal rüttelt der Sturm an die Fensterläden.
Mal klatscht aus grauer Wolkenwand der Regen stark ans Fensterglas.
Mal peitscht der Wind ums Haus herum und lässt die Blätter tanzen.
Mal ziehen weißgraue Nebelschwaden wie eine feine Rauchwolke vorbei.
Mal rieseln ganz zart und sanft kleine Schneeflocken hernieder.
Mal ist der Himmel türkisblau mit zarten Schäfchenwolken.
Mal türmt sich dunkel eine Wolkenbank.
Mal hinterlassen Flugzeuge Kondensstreifen in rosa.
Mal fliegen Blätter, leicht wie Federn, am Fenster vorbei.
Das alles, siehst du, liebes Menschlein, nur am Morgen, wenn du ganz einfach mal im Bett bleiben kannst.
Die Tasse mit dem warmen Kaffee in der Hand, der Blick ist dann ganz unverwandt ins Weite und aufs Außen gerichtet.
Während die Gedanken anfangen zu fliegen, in die Blaue Stunde, ungestört, die Parallelwelt betreten.
Heute hast du dir die Zeit genommen und ein Buch gelesen.
Hermann Hesse „Sidharta“.
Ganz merkwürdig, wie durch Geisterhand, musstest du gestern, nach einem erfüllten Kleinmarkthallenbesuch, auch den Hugendubel betreten.
Und irgendwann standest du vor dem Bücherstapel von Hermann Hesse.
Vor vielen Monaten hast du von diesem Buch geträumt. Eine Aufforderung stand danach im Realen im Raum. Du musst dieses Buch besorgen.
Die Stimme eines 57 jährigen riet dir gestern vom Kauf ab: Viel zu schwierig zu lesen.
Doch du erkanntest schnell…es ist die Stimme eines 14 jährigen Jungen, der vor 43 Jahren, in der Schule, viel zu früh, mit Erwachsenenkost gequält wurde.
Neben dir stand eine schöne, unbekannte Frau. Mit ihrem Ostblockslang sagte sie dir: du musst unbedingt dieses Buch kaufen….es gibt nichts Besseres.
Du dachtest an die Traumerfüllung, hast es gekauft und heute mit viel Tränenwasser ausgelesen.
Hängen geblieben ist die Weisheit, das es oft die Einfachheit ist, der Wanderer durch die Zeit, der Fährmann am Fluss, die die Verbindung mit sich selber ermöglicht. Der Ewigsuchende, der das Wesentliche nicht findet, wenn er nicht das Finden einfach geschehen lässt.
Das Lauschen auf den Fluss, Sitzen auf einer Sommerwiese, das warme Sonnenlicht, die leichte Brise des Windes, die Kräfte der Natur auf sich wirken lässt, den Baum umarmt, die Ordnung der Gesetzmäßigkeit anerkennt.
Doch was bringt dich das weiter.
Heute kam dir der Spruch in den Sinn:
Lieber arm dran…als Bein ab.
Vielleicht solltest du deine Arbeitszeit kürzen, mehr Zeit für mich, die blaue Stunde nehmen, lieber etwas ärmer dran sein, aber deinen Füssen die Achtung und Würde gewähren…..damit ich dir nicht immer das Signal des Schmerzes schicken muss.
Marlies




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