Liebesbriefe, Liebesgedichte - wer schreibt sie noch?
Im Thema: Liebe
von: Ariane Darling
erstellt am: 09.11.2010
von: Ariane Darling
erstellt am: 09.11.2010
15 Bewertungen: (ø 4.5)
599 mal gelesen
Ist es altmodisch, Liebesgedichte zu verschicken?
Heute im Zeitalter von chatten, mailen, simsen - wer schreibt da noch Liebesbriefe oder gar Liebesgedichte an seinen Auserwählten? Und gibt es überhaupt noch Empfänger, die das zu schätzen wissen?Vorab - ich gebe zu eine unverbesserliche Romantikerin zu sein und bin deshalb auch schon manches Mal missverstanden oder als altmodisch empfunden worden.
Liebesbriefe und erst recht in Gedichtform, finde ich persönlich ein wunderbares Stilmittel, um seine Gefühle zu ordnen, auszudrücken, in eine adäquate Form zu bringen, um sie dann seinem Liebsten zum Geschenk zu machen.
Es gibt Menschen, die das kitschig oder sogar peinlich finden, was ich nicht nachvollziehen kann!
Um in ihren Liebesbriefen von vorne herein den Verdacht auf "Blumig- und Kitschigkeit", auf Romantik oder "Herz-Schmerz" gar nicht erst aufkeimen zu lassen, bedienen sich manche Schreiber einer flapsigen Sprache, nutzen als Stilmittel die Satire, geben sich ironisch oder witzig.
Unlängst stellte ein Hobby-Autor ein Liebesgedicht in schwäbischer Mundart ein, deren Inhalt oder tiefere Gefühle sich nur den diese Mundart Beherrschenden erschloss. Für mich klang es weder schön, noch romantisch. Ins Hochdeutsche gesetzt hätte es vielleicht mein Herz berühren können!
Und doch erfreuen sich selbst unter jungen, sich cool gebenden Leuten englisch-sprachige Pop-Songs, Schlager, vertonte Liebesgedichte mit eindeutig romantischen, kitischigen und Herz-Schmerz-Texten großer Beliebtheit! Würde man sie ins Deutsche übersetzen, würden sie eher von vielen belächelt und als zu "schmalzig" abgelehnt werden!
Natürlich werden auch nach wie vor eine Vielzahl von deutschen Schlagern mit den zuvor genannten Inhalten und Texten produziert und mit Begeisterung von entsprechenden
Interpreten vorgetragen. Sie werden jedoch wohl überwiegend von Vertretern der älteren Generation gerne gehört.
Es macht sicherlich mehr Mühe, kostet mehr Zeit, einen schönen zärtlichen Liebesbrief, ein Liebesgedicht zu verfassen, als eine SMS zu schreiben oder eine Mail zu verschicken.
Und doch macht der Verzicht auf die beiden ersteren unsere Welt ärmer, merklich cooler, um im Jugendjargon zu bleiben, ja, sogar kälter, wenn niemand sich mehr "trauen" würde,
seinen romantischen Gefühlen in Form von Liebesbriefen und Liebesgedichten Ausdruck zu verleihen, um sie seiner Liebsten zu kredenzen.
Es gehört eine Portion Mut dazu, sie einem relativ anonymen großen Publikum zu präsentieren, insbesondere, weil man auch mit einem "Verriss" rechnen muss, der dem eines Marcel Reich-Ranicki in nichts nachsteht, obwohl die sich wahrhaft als Literaturkritiker Bezeichnenden sicherlich eine Minorität darstellen dürften.
Nun kann man natürlich auf die Meinung und das Urteil von Lesern einer Internet-Community "pfeifen" - und das tun manche wohl auch - und dennoch, wer sich in der Öffentlichkeit als "Schriftsteller" betätigt, wünscht sich gelesen und zumindest "richtig" verstanden zu werden, unabhängig davon, ob er den Geschmack seiner Leser trifft oder auch nicht!
Meine Freunde, meine "Frischverliebten", habe ich bisher noch immer mit Liebesbriefen und Liebesgedichten beglückt. Nicht immer erhielt ich den erhofften "Dank"! Aber das hält mich nicht von meinen kreativen Aktivitäten in dieser Richtung ab.
Anerkennung und bestätigende Zustimmung zu meinen "Kompositionen" erhalte ich von Menschen, dir mir nahe stehen und wichtig sind. Und darüber freut sich das Künstlerherz!
-------------------------------------------------------
Liebster
Jüngling mit den braunen Augen,
die zu süßer Liebe taugen,
senkst dich in mein Herz hinein
und erfüllst mein ganzes Sein.
Deinen Lippen, deinen Wangen
gilt mein glühendes Verlangen,
sie zu kosen und zu küssen
möcht ich keinen Tag mehr missen.
Deine Stimme und dein Lachen
sind es, die mich glücklich machen.
Deine Finger deine Hände,
die so zärtlich und behende
über meinen Körper gleiten
tausend Wonnen mir bereiten.
Deine Liebe, all das Schöne,
deiner Wolllust süße Töne
sind mir Lied und Melodie,
deren müd ich werde nie.
Bin ich auch ein armes Närrchen,
hoff, es krümmt sich Dir kein Härchen,
wenn Du öffnest meine Zeilen,
die behende zu Dir eilen.
Sei gewiss, ich bin die Deine,
halt Dich fest an meiner Leine.
Lass Dich halten, lass Dich fangen,
denn mein Herz klopft vor Verlangen,
Dich zu sehen und zu spüren,
komm und lass Dich sanft verführen!
-----------------------------------------
Bild: "Die Briefschreiberin" - Gerard ter Borch (Schwester Gesine)
KommentareAuf einer Holzbank sitz ich hier,
ein Wegkreuz steht nicht weit von mir.
Mein Blick ins Tal hinunter schweift,
goldgelb der Raps im Felde reift.
Der Duft von Heu mich sanft erfreut,
ein schöner Sommertag ist heut.
Auf einer Wiese Kühe stehn,
am Bache kann man Weiden sehn.
Erinnerungen, sie steigen auf,
ich seh mich stehn am Baches Lauf.
Im Arm halt ich ein Mädchen fein,
welch später meine Frau wird sein.
Das Wegkreuzsteht wie damals dort,
welch wundervoller stiller Ort.
Kein fremder Ton nur Vogelsang,
was für ein warmer süßer Klang.
Wie oft kann ich noch sitzen hier,
allein oder vielleicht mit ihr.
Sie liebt den Ort genau wie ich,
hier sagt ich einst "ich liebe dich".








Würde es leicht in die Kategorie "Süßholz raspeln" einordnen ...