Mörderische Maschen
Im Thema: Kinder & Familie
von: Aristo Cat 8032
erstellt am: 15.01.2012
von: Aristo Cat 8032
erstellt am: 15.01.2012
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das Torffeuer war die einzige Licht- und Wärmequelle des Hauses hoch oben auf den Klippen, Mary strickte...
Das Dorf auf das sie herunter sah und aus dem sie kam, duckte sich mit seinen reetgedeckten Katen hinter den Dünen gegen die Stürme der See wie ein verängstigtes Tier.
Mary strickte, nein besser, nur ihre Hände strickten, seit Jahren waren ihr die Muster in Fleisch und Blut übergegangen, auch das dreifachgedrehte Zopfmuster ihres Clans.
Ihres Clans? Am Sterbebett der Mutter erfuhr sie, dass ihr versoffener Vater sie mit 14 nur deswegen an die verhassten Cliffer verheiratet hatte, weil er eine Wettschuld einlösen musste. Wettschulden sind bei Iren Ehrenschulden.
Die fettige Schafswolle stank, aber die daraus gestrickten Pullover waren für die Fischer das ideale Kleidungsstück gegen Wind und Wetter und an den jeweiligen Clan-Mustern konnte man die Toten, die die Flut anspülte, identifizieren, denn wenn die kleinen Boote kenterten, war das das Todesurteil, schwimmen konnte niemand.
Marys Ehe war die Hölle. Das Vieh wurde besser behandelt, als sie, Schläge waren an der Tagesordnung. Und wenn sie abends mit von der Arbeit blutenden Händen und schmerzenden Gliedern ins Bett fiel, musste sie auch noch die whiskygeschwängerten Begierden ihres Mannes über sich ergehen lassen. Doch der Herrgott schien irgendwie ein Einsehen mit Mary zu haben. Nach und nach verstarben die männlichen Clanmitglieder.
Die Cliffer waren ebenfalls Fischer, wie die unten im Dorf, aber sie hatten noch eine weitere Einnahmequelle: bei schwerer See mussten die Frauen Leuchtfeuer anzünden, EIN Feuer für fremde Schiffe, um diese in den sicheren Tod auf den Klippen zu locken, noch in der Nacht sammelten dann die Männer das Strandgut ein, ZWEI Feuer, wenn auch der Clan draußen war, die signalisierten diesem dann den sicheren Weg nach Hause, vom Dorf aus war das zweite Feuer nie zu sehen.
Aber die seltsamen Vorfälle an diesem Küstenabstrich erweckten irgendwann das Interesse der Obrigkeit. Es kam eine Abordnung tauch- und schwimmerprobter englischer Gentlemen. Schwimmen, sowas konnten die Fischer nicht, geschweige denn Tauchen. Ehrfürchtig sahen die Dorfbewohner zu, wie die wagemutigen Sirs sich trotz stürmischer See in ein Boot setzten, in das beste, das zu haben war, nämlich das von Marys Ehemann gesteuertem und in die Nacht hinausfuhren.
In dieser Nacht wurde Mary von ihrer vor Tagen verwitweten Schwägerin Lilly, die seit kurzen einen wunderschönen Garten mit Fingerhutpflanzen ihr eigen nannte, und die inzwischen ihr sechstes Kind erwartete unsanft geweckt: „Zeit fürs Feuer“! Am Feuerplatz angekommen, sah Mary, dass auch ihre anderen 4 Schwägerinnen deren Ehemänner einen plötzlichen und unerwarteten Tod erlitten hatten, anwesend waren, Lilly ging zum Feuerplatz, eine brennende Fackel in der Hand, die Schwägerinnen fielen auf die Knie und begannen zu beten: Heilige Maria, Mutter Gottes, gebenedeit sei dein Name....
und dann geschah es: Lilly begann ihre Schritte vom Feuerplatz aus nach Westen zu zählen: eins, zwei, drei, ...nach 11 Schritten entzündete sie ein Feuer, die anderen Frauen trugen die Scheite schnell zu diesem neuen Feuer.
Am kommenden Morgen versorgte man im Dorfgasthaus die englischen Gentlemen, die sich in der Nacht schwimmend ans Ufer retten konnten, mit echten irischen Whisky. Ohne das Feuer auf den Klippen hätten wir nie das rettende Land erreicht, sagten sie, wir mussten zwar eine zeitlang schwimmen...
Mary kaufte einen teuren Sarg für ihren Ehemann, das einzige Opfer dieser Nacht, man konnte ihn selbstverständlich auch anhand des Pullovermusters identifizieren
Kommentare








das wieder aus. Wäre er nicht an Land
getrieben worden, hätte Mary den
teuren Sarg gespart. Jepp, meine Ge-
danken sind nicht gerade freundlich, nur
bei so einem Mann.....