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Freunde

Schließlich sind sie unsere Feinde


Im Thema: Freunde
von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 11.04.2011

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Diese Geschichte ist schon vor einiger Zeit passiert. Ich erfuhr sie von einem Mann aus unserer Gruppe, der sie selbst erlebt hat und der zur Zeit hier einen Deutsch-Kursus belegt.

"Während des Krieges in Bosnien wurde ich zum Militär einberufen. Unsere Truppe war in der Nähe eines kleinen Dorfes stationiert. Die Einwohner hatten das Dorf verlassen.

Zurückgeblieben waren nur einige alleinstehende, alte Menschen. Uns Soldaten wurde jeder Kontakt mit ihnen verboten.

Zu meinen Aufgaben als Lastwagenfahrer gehörte es, Lebensmittel an die Front zu bringen. Einmal lernte ich eine der Bewohnerinnen des Dorfes kennen. Sie war bereits sehr gebrechlich und das einzige, das sie besaß, war eine Kuh, die sie nur mit Gras fütterte. Gemeinsam mit meinem muslimischen Freund nahm ich mir vor, der Frau täglich Nahrungsmittel vorbeizubringen. Die Offiziere durften davon nichts erfahren.

Lange konnten wir unser Tun geheimhalten. Doch eines Tages ertappte uns ein Vorgesetzter. Er sagte, daß wir das unterlassen sollten, schließlich seien das unsere Feinde. Ich antwortete ihm, daß die alte Frau nicht unser Feind sei. Er verstand nicht, ließ uns aber gehen.

Wir waren uns bewußt, daß es gefährlich war, aber trotzdem brachten wir der Frau nachts weiterhin Lebensmittel. Eines Nachts beobachtete uns der diensthabende Offizier. Wir mussten uns auf die Erde werfen. Mit seinem Gewehr zielte er auf unseren Kopf. "Das ist das Ende", dachte ich. Aber ich war mir sicher, das Richtige getan zu haben, auch wenn ich dafür jetzt mit dem Leben bezahlen müßte. Eine halbe Stunde lang lagen wir auf dem Boden mit dem Gewehr im Nacken. Anschließend schickte er uns zu einem ranghöheren Offizier. "Was soll ich bloß mit euch machen", sagte dieser und schüttelte mit dem Kopf, "ihr seid unverbesserlich!" Dann ließ er uns gehen.

Von jenem Tag an konnten wir der Frau mit Erlaubnis unserer Vorgesetzten Lebensmittel bringen." S.H.

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