Tagebuch eines Katzen-Butlers - Teil 4.................
Im Thema: Tier & Natur
von: Inaktives Mitglied
erstellt am: 15.03.2010

von: Inaktives Mitglied
erstellt am: 15.03.2010

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Ende gut - alles gut.........
Der restliche Kaffee vom Nachmittag steht noch auf dem Tisch, die Zeitung – etwas aus der Fasson gebracht – hängt vom Couchtisch runter und ich verspüre so etwas wie Hunger. Na ja – der Tag ist vorangeschritten und es wird wohl Zeit mal an das Abendessen zu denken.Während ich bemüht bin, die Zeitung wieder einigermaßen in ihren Urzustand zu versetzen, klingelt das Telefon. Setze mich kurz auf die Couch nehme den Hörer und melde mich. Nach einiger Zeit intensiver Unterhaltung mache ich mich kurzerhand locker und lege meine Beine hoch. So entspannt lässt es sich doch genauso gut telefonieren. Mit dem linken Arm aufgestützt und den Hörer in der Hand, plaudere ich munter weiter und Katerchen hebt zum ersten mal wieder den Kopf und – ehe ich mich versehe – springt der Kobold auf die Couch, schmust in meinem Gesicht herum und ist sichtlich erfreut, an dem Gespräch teilnehmen zu können. Der Telefonhörer wird von ihm regelrecht vergewaltigt und mit seinem Kopf den Hörer ständig reibend und laut schnurrend, wird mein Gesprächspartner am anderen Ende aufmerksam und will wissen, was das für komische Geräusche im Hörer sind.
„Oooch......“, sage ich, „das ist meine Katze, die reibt ihren Kopf am Telefonhörer. Weißt, wenn ich telefoniere, kommt die aus dem letzten Schlupfwinkel, nur um am Gespräch teilzunehmen.....“ Mein Gesprächspartner lacht und Katerchen macht es sich zwischenzeitlich auf meinem angewinkelten Oberarm gemütlich. Er richtet sich regelrecht häuslich ein, indem er sein gesamtes Fahrgestell so lange hin und her bewegt, bis die Position, in der er sich richtig wohl und entspannt fühlt, erreicht ist. Seine Schulter liegt nun zur Hälfte auf meinem Oberarm und mit den Pfötchen stützt er sich an meiner Brust ab. Er schnuppert mein Gesicht mit seiner kalten Nase ab und verschmiert mir so ganz nebenbei die Brille. Scheinbar genügt ihm aber der Abstand zu mir noch nicht so richtig. Kurzerhand kämpft er sich Richtung in Kopf und ich habe eben grade Mal seine Schulter zwischen Hörer und meinem Gesicht. Während Katerchen sich erneut niederlässt, versuche ich an dem Bündel Fell so vorbei zu kommen, dass ich mit meinem Gesprächspartner weiter reden kann, was aber schier unmöglich ist. Jetzt muss ich doch korrigierend eingreifen sonst habe ich beim Sprechen nur noch Katzenhaare im Mund. Während das Gespräch weiterläuft, hat sich Katerchen wohl damit abgefunden, dass er an seine Grenzen gestoßen ist und blockiert lediglich nur noch meinen Oberarm mit seinen Pfötchen, die er gekonnt aufgelegt hat.
Wir sind nun beide zufrieden – ich, weil ich einigermaßen vernünftig telefonieren und ER den Hörer wie gehabt, weiterhin malträtieren kann. Während mein Arm so allmählich müde wird, kommt Katerchen voll auf seine Kosten. Er wird von mir während des Telefonats gestreichelt, was das Zeug hergibt. Am Kopf angefangen und Richtung Schwanzspitze. Mit dem Strich, gegen den Strich – er scheint es zu genießen, wie nie zuvor und schnurrt lauthals.
Aber auch alles Schöne geht mal zu Ende und so auch das Telefonat samt Streicheleinheiten. Jetzt noch ein kurzes Zwiegespräch zwischen dem BOSS und mir und die Welt ist in Ordnung. Katerchen verlässt die Couch und während er zielsicher seinen Ruheplatz ansteuert und sich mal wieder putzt als sei er total dreckig, stehe ich auf, nehme die Kaffeetasse und – Katerchen steht bereits an der Zimmertür..................
Jetzt weiß ich auch was Katzenwäsche ist...........................
Katerchen steuert das Bad an, doch ich will erst Mal in die Küche und die Tasse abstellen. Tür auf und das Kerlchen schießt an mir vorbei, hält vor dem Fenster kurz inne, haut mal kurz die Krallen in den Aufbau seines Kratzbaumes um sie zu wetzen und erklimmt schließlich selbigen. Er bleibt kurz hocken, verfolgt mein Treiben und als ich die Küche wieder verlassen will, rennt er gekonnt an mir vorbei, steht vor der Wohnungstür und schaut mich erwartungsvoll an. Klar – ins Bad und kämmen, das wollte ich. Katerchen, der alte Drängler ist natürlich schneller und sitzt bereits auf der Waschmaschine, bevor ich überhaupt den Raum betreten habe. Während ich mich etwas zurecht mache, sitzt das Kerlchen plötzlich im Waschbecken, schnuppert am Wasserhahn und ich öffne selbigen, damit er frischgezapftes genießen kann. Was er auch ausgiebig macht.
Ich gekämmt und er erfrischt, verschwindet ER plötzlich hinter dem Duschvorhang, während ich die das Bad wieder verlassen will. Klar – das kenne ich zur Genüge und greife kurzerhand mal den Duschvorhang, schüttle selbigen ein wenig und Katerchen flitzt, wie von einer Tarantel gestochen, an mir vorbei und in den Flur. Genauso schnell ist er aber auch wieder im Bad und springt auf den Toilettendeckel um das gleiche Brimborium erneut zu veranstalten. So, als ob alles nur reine Übungssache wäre, läuft er auf der Kante vom Duschbecken entlang und verschwindet hinter dem Vorhang. Es macht ihm sichtliches Vergnügen, mich heraus zu fordern und mir zu zeigen, dass er doch der schnellere ist. Bis es ihm langt und er auf den Heizkörper neben der Badtüre springt und ich den Raum verlasse.
Schlage zweimal kurz und leicht auf meinen Oberschenkel – Zeichen für Katerchen mitzukommen. Er zögert und ich sage: „Na komm´ schon.....“ Keine Reaktion – er schaut mich nur an und geht in Position. Da ist mir klar, dass er wieder Mal was neues braucht. Also lege ich meine rechte Hand an die linke Schulter und hoppla. ER sitzt auf der Schulter und seine Krallen nach Halt suchend, treiben mir die Tränen in die Augen, während ich den kleinen Springinsfeld über alle Maßen lobe darf. Schließlich wickelt er sich um mein Genick und versucht auf wackeligen Beinen die Aussicht zu genießen. So gesattelt erreichen wir beide die Küche und ich bin froh als ich das Fenster erreiche und ER mit kräftigem Vorderantrieb und seine Hinterbeine samt Krallen von meinem Hemd abstoßend auf den Fenstersims springt.
Katerchen schaut zum Fenster raus und ich in den Kühlschrank. Pardon – Katerchen schaut auch in den Kühlschrank. Der ist ja überall und nirgends um seine Neugierde zu befriedigen. Was Löcher hat wird von ihm eingehend unter die Lupe genommen. Nicht selten verschwindet er im Küchenschrank, durchschreitet Schubladen, Bettkästen, untersucht das innere der Waschmaschine oder gräbt sich Durch meine Wäsche im Schrank. Einmal habe ich das Kerlchen mitten im Kleiderschrank gefunden, nachdem ich ihn vermisst hatte. Ohne sich auch nur im entferntesten bemerkbar zu machen, hat sich der Schlawiner auf meinen Hemden breit gemacht.
Während ich das Essen zubereite beobachtet mich Katerchen sitzend auf dem kleinen Rollwägelchen neben der Küchentüre. Werde im Wohnzimmer essen und Fernsehen, nehme mein Tablett, öffne die Küchentüre und Katerchen stößt sich wildentschlossen von seinem Sitzplatz ab, während das Wägelchen durch die Küche fegt. Tablett abstellen, Wägelchen zurück auf seinen Platz und Katerchen miaut mal etwas fordernd, während er sich an der Wohnzimmertür aufrecht ziehend, seine Knochen lang streckt. Rein ins Wohnzimmer und Katerchen wartet schon ungeduldig, dass ich ihm sein Futter bringe. Wir beide lassen es uns schmecken. Nach dem Essen räume ich wieder alles weg – auch das restliche Futter von Katerchen für die Nacht - und anschließend wird relaxt. ER auf seinem Platz (zunächst...) und ich auf der Couch. Gehe in Seitenlage und schaue interessiert das laufende Fernsehprogramm.
Katerchen sitzt auf seinem Platz und schaut in meine Richtung, was ich aber ignoriere. Die Couch gehört zur Abwechslung mal mir und ich kann mich ungehindert bewegen. Ach wie schöööön............
Bis – ja, bis sich Katerchen auf der Bildfläche erscheint, sich mehr oder weniger langsam in meine Richtung bewegt und ich mir überlege, welche Strategie er wohl gerade in Betracht zieht um mir den Abend zu versauen.
Er taucht direkt vor meinem Gesicht auf, die Vorderpfötchen auf der Couchkante, versucht er den Überblick zu gewinnen. Bloß jetzt keinen Sichtkontakt, keinen Augenkontakt aufbauen, denke ich mir aber Katerchen braucht so was scheinbar auch gar nicht – jedenfalls nicht unbedingt. Er ist ja alt genug und entscheidet selbst. Im vorliegenden Fall allerdings gegen mich.
Kurzerhand und sehr gekonnt überwindet er mit einem Hechtsprung meinen Korpus, und steht hinter mir auf Höhe der seitlich gelagerten Beine. Hier lässt er sich wie selbstverständlich nieder und betreibt wieder mal Körperpflege und zwar so intensiv, dass ich fast schon das Gefühl habe, hier wolle mich jemand von der Couch drücken. Sein gesamtes Körpergewicht drückt er während seiner Putzerei in meine Kniekehlen um sich dann schließlich mit der gleichen („rücksichtsvollen...“) Art und Weise zusammen zu rollen und zu schlummern. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.
Meine Beine werden einige Zeit später schmerzhaft steif – müsste mich mal richtig ausstrecken können und greife kurzerhand hinter mich, erwische den Rücken von Katerchen und will das Kerlchen von mir wegschieben. Jede andere Katze mag bei diesem Versuch freiwillig das Feld räumen – Katerchen nicht. Bin gezwungen, den Gnom zum Aufstehen zu ermuntern und während ich den Körper von Katerchen unter seinem Wiederstand wegschieben will, muss ich weiter nachfassen und ihn regelrecht anheben um das Gewicht loszuwerden. In dem Glauben, die Korrektur sei geglückt, lasse ich den Körper von Katerchen los und – Plumps..... Der hat sich überhaupt nicht bewegt sondern ist in die alte Stellung zurück gefallen. Ein zweiter Versuch, ein drittes Mal – immer wieder fällt Katerchen in den ursprünglichen Zustand zurück. Das darf doch alles nicht wahr sein – schaue hinter mich und Katerchen schaut mich an als ob er sagen wollte: „Suchst´e was.......?“
Schließlich gelingt es mir doch, das Kerlchen in Bewegung zu versetzen und widme mich wieder dem Fernsehprogramm.
Plötzlich – das gleiche Spiel beginnt von vorne. ER drückt sich wieder in meine Kniekehlen und ich verliere die Geduld, strecke meine Beine jetzt endgültig aus und Katerchen weiß sich auch hier zu helfen. Er legt die Vorderpfötchen auf meine Knie, drückt die Brust gegen die Kniekehlen und schaut ständig in meine Richtung, was ich abermals ignoriere. Weiß mir im Moment jetzt auch keinen Rat, lasse ihn zunächst mal gewähren und er streckt ein Pfötchen weit nach vorne und legt den Kopf einfach obendrauf. Augen zu und das war´s.
Das Telefon klingelt glücklicherweise und ich komme in Bewegung – Katerchen auch. ER springt mir über die Beine und das Spiel vom Nachmittag wiederholt sich. Wobei eine neue Variante hinzu kommt. Katerchen ist so erregt, dass er beim Schnurren anfängt zu tropfen. Der Speichel oder was auch immer, läuft ihm am Mäulchen entlang und landet auf meinem Hemd. Ein seltsam kaltes Zeug ist das. Richtig unangenehm.................
Katerchen schmust wild drauf los, reibt sein Köpfchen am Telefonhörer an meinem Gesicht und irgendwann muss ihm wohl das Gesabbere, was da ständig tropft, zuviel geworden sein. Er schüttelt den Kopf und verspritzt das ganze Zeug – in mein Gesicht und auf die Brille. Ist das unangenehm kalt und abwischen ist nicht weniger unangenehm. Dieses Glipperzeug schmiert regelrecht und ich bereue, dass noch keiner Scheibenwischer für Brillen erfunden hat.
Das Telefonat ist nur kurz und ich entferne erst Mal die Hinterlassenschaften meines Katers von Haut und Brille.
Der Abend gestaltet sich dann doch noch recht angenehm und Katerchen räumt freiwillig das Feld um sich auf seinen Stammplatz zurück zu ziehen.
Einige Zeit später ist aber dann auch Schluss mit Lustig – werde müde und Katerchen weiß auch aus Erfahrung, dass für ihn die Zeit gekommen ist, in der Küche zu nächtigen. Nervös läuft er bereits im Zimmer rum um schließlich leise Miauend vor der Türe stehen zu bleiben. Ich lasse ihn in die Küche und die Türen zunächst noch offen. Gezielt steuert Katerchen seinen Fressnapf an und ich ziehe mich ins Wohnzimmer zurück.
Es ist jeden Abend das gleiche – Katerchen hat spät abends noch mal was gefuttert und dann geht die Post ab. Er kommt zunächst ins Wohnzimmer, bleibt mitten im Raum stehen, schaut mich an, dreht sich auf dem Absatz rum und schießt regelrecht zum Zimmer raus, krallt sich hörbar in den Läufer vom Flur, der scheinbar recht robust ist und schärft wohl seine Krallen. Dann hört man ihn nur noch flitzen. Rein ins Wohnzimmer, raus in die Küche und wieder zurück. Es macht ihm sichtlich Vergnügen, zu erleben, wie ich ihn verfolge und doch nicht erreichen kann. Das geht eine Zeitlang so, bis er auf die Eckbank in der Küche springt, sich in Rückenlage begibt und meine Hand samt Arm in spielerischer Weise zu erobern versucht.
Während sich mein Hand kreisend über seinem Köpfchen hin und her bewegt und er den richtigen Moment zum Zupacken abwartet, kann es passieren, dass er dabei die Geduld verliert und - während seine Augen gespannt die Bewegungen über ihm mitverfolgen, ertönt schließlich ein langgezogenes Miauuuuuoooo...................., das so Herzzereisend klingt, dass ich wieder mal nachgebe und mir möglicherweise noch ein paar Kratzer einhandle.
Irgendwann gelingt es mir aber doch noch, ihn zur Aufgabe zu bewegen und während er sich davon trollt, lobe ich ihn noch mit ein paar netten Worten und schließe die Küchentüre hinter mir.
Was am nächsten Tag auf mich wartet, das weiß ich schon – ein von Lebensfreude sprühendes Katerchen, ein liebenswerter Egoist, ein grandioser Despot, ein Bündel Fell voller Temperament aber auch ein Kerlchen, dass sich anpassen kann und nicht nur immer an sich denkt sondern seine Grenzen kennt, die zwar weit gesteckt sind aber hier und da auch mal erreicht sein können.
Wer möchte da nicht gerne der Butler sein............................
Allen Katzenfreundinnen- und Freunden ein lieber Gruß
Danke für die vielen, netten Kommentare :-)
ENDE.
KommentareUte Sy15.03.2010 14:12
Meine
Die Katerchen Geschichten gefallen mir sehr gut!!
LG
danke Günther für deine wundervollen Geschichten...








