Tagebuch eines Katzenbutlers - Teil 2
Im Thema: Tier & Natur
von: Inaktives Mitglied
erstellt am: 08.03.2010
von: Inaktives Mitglied
erstellt am: 08.03.2010
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Draußen liegt Schnee und mir fällt ein, dass ich noch die Post aus dem Briefkasten holen muss. Also, zur Küchentür, auf den Flur, Schlüssel gepackt und mal kurzerhand vor die Haustüre, die ich praktischerweise feststelle, da ich ja gleich wieder zurück will. Vor dem Briefkasten liegt ein Prospekt – weg damit in den Papier-Müllbehälter. Auf dem Weg zurück und zum Briefkasten höre ich ein leises Miauen und mir stellen sich sämtliche Nackenhaare. Katerchen steht wie selbstverständlich im Schnee und schnuppert neugierig.Der hat Nerven – und meine erst................. Gehe ruhig und mit einem flauen Gefühl auf das Kerlchen zu und hoffe nur noch, dass er jetzt bloß keine Faxen macht und einfach davon springt. Nein – er ist kein Freigänger. Ist zu gefährlich in dem verkehrsnahen Gebiet und abgesehen davon, wer würde nicht gerne eine Siamkatze sein Eigen nennen – weiß man alles nicht. Also nehme ich den kleinen Ausreißer mit einem Arm hoch, überhöre seinen etwas trotzigen Protest und bringe ihn zurück in die Wohnung. Wieder mal vergessen, die Zimmertür zu schließen – nicht zum ersten Mal. War auch schon im Keller und Katerchen stand plötzlich an der Kellertreppe und hat lauthals gerufen.
Setze Katerchen zunächst im Flur ab, lege den Schlüssel beiseite und will in die Küche, die natürlich noch sperrangelweit offen steht. Will das Kerlchen ermuntern mitzukommen, was er auch tut. Zwar etwas zögerlich und immer darauf achtend, das ich mit gehe. Sowie ich etwas hinter ihm bleibe hält er inne, schaut mich unsicher an und erst wenn ich weiter gehe, setzt er seinen Weg fort und schaut ab und zu in Richtung meiner sich nach vorn bewegenden Beine, wohl, um auch sicher zu gehen, dass ich ihm folge.
Nein, das ist kein Hirngespinst – solche Szenen beobachte ich immer wieder. Wenn Katerchen nicht weiß, was er machen soll oder darf, kann es schon passieren, dass er auf dem Wägelchen neben der Küchentüre sitzt, ich die Tür öffne, noch mal kurz zurück gehe um z. B. den Radio abzuschalten, er zum Sprung ansetzt und – innehält......... Sein Körper leicht in der Hocke und nach vorn gerichtet schaut er in meine Richtung und wenn ich dann fast zur Türe draußen bin, springt er los – das Wägelchen befindet sich dann natürlich Rollenderweise mitten im Raum.
Vor der Türe zum Wohnzimmer streckt sich Katerchen erst Mal senkrecht nach oben als wolle er an die Türklinke selbst in die Hand nehmen um schließlich durch die geöffnete Tür ins Wohnzimmer zu verschwinden. Eine Angewohnheit übrigens, die er seither nicht mehr abgelegt hat – versteh´ einer die Katzen.
Schalte meinen Rechner ein und will noch etwas arbeiten, währenddessen Katerchen vor der geschlossenen Balkontüre hockt und hinausschaut. Als ich auf meinem Stuhl Platz nehme, dauert es nur Sekunden und Katerchen springt mir auf den Schoß. Lasse ihn gewähren, da ich im Moment sowieso nur mit der Maus arbeite. Seine Majestät lässt sich nieder, breitet sich zur Hälfte auf der Tastatur aus und ich kann sehen, wie ich klar komme. Also – etwas nachgeholfen, den Körper des kleinen Teufelsbraten nach vorne verfrachtet und dann den Versuch unternommen, trotzdem ein paar Buchstaben in den Rechner zu tippen. Derweil sich Katerchen in Ruhestellung begibt, das Köpfchen auf meinen Oberschenkel legt und die Augen schließt. Gerade so, als ob er noch nie was anderes gemacht hat.
Das kann auf Dauer nicht gut gehen – so kann ich nicht arbeiten. Nehme also das Kerlchen auf den Arm, wie ein schlafendes Kind und verfrachte ihn vorsichtig auf seinen für ihn bestimmten Platz. Jetzt fühle ich mich mal befreit und lege los – Katerchen auch. Steter Tropfen höhlt den Stein, denkt der sich wohl und ist schneller wieder auf meinem Schoß, als ich schauen kann.
Wird Zeit, dass ich ein Machtwort spreche und ihn wieder auf seinen Platz komplimentiere, was ihn aber keineswegs beeindrucken kann. Obwohl, doch – er weiß zumindest, dass er seine Strategie ändern muss und geht zum Angriff über. Zunächst sitzt er einfach nur mal so neben mir auf dem Fußboden als wenn nix wäre und was mich betrifft so ignoriere ich ihn einfach.
Wie ein heranwachsendes Kind, dass die Kaufmannstheke nur dann überblicken kann, wenn es auf den Zehenspitzen und mit Hilfe der Hände haltsuchend sich etwas nach oben zieht, so steht Katerchen plötzlich auf den Hinterbeinen um mit Hilfe seiner Krallen den Überblick über meinen Schoß nicht zu verlieren und weil da ja jede Menge Platz ist, ist er flugs wieder oben. Mir reißt der Geduldsfaden und Katerchen weiß, dass er zu weit gegangen ist, den Platz aber gerne beibehalten möchte. Seine unschuldigen Kulleraugen schauen mich an, seinen Kopf reibt er an meinem Hemd und ganz, ganz vorsichtig lässt er sich nieder - ohne mich aus den Augen zu verlieren. Dann schaut er geradeaus als ob die Sache für ihn entschieden wäre.
Für ihn vielleicht – für mich nicht. Jetzt muss ich ihm doch klar machen, dass es so nicht geht und befördere ihn ohne Umschweife zurück auf seinen Platz. Er kapiert endlich und putzt sich erst mal ganz demonstrativ – grade so, als ob ihn zuvor ein Aussätziger angefasst hätte. Langsam kehrt Ruhe ein und ich kann am Rechner weiter arbeiten, während Katerchen sich irgendwann zusammenrollt und den Unschuldsengel spielt.
Irgendwann klingelt es auch und wenn es darum ginge, wer wohl die Türe öffnet, würde Katerchen alle Bewerber gnadenlos aus dem Feld schlagen – mich an vorderster Front. Habe Besuch bekommen und Katerchen bekommt Katzengras geschenkt. Er lässt es sich nicht zweimal sagen und macht sich über das Grünzeug her, als ob er am Verhungern wäre. Während ich mich mit dem Besucher unterhalte und Katerchen mit dem Gras beschäftigt ist, stößt er plötzlich einen Schrei aus, der eher an das Röhren eines Hirsches erinnert. Unter einigen Anstrengungen gelingt es ihm schließlich, das runtergewürgte Gras wieder nach draußen zu befördern. Dann trollt er sich von dannen – der Rest interessiert ihn nicht mehr.
Nachdem der Besuch gegen Mittag wieder gegangen ist, habe ich das Bedürfnis mich ein wenig hinzulegen – Katerchen wohl auch, denn kaum habe ich’s mir gemütlich gemacht und die Augen geschlossen, verspüre ich die feuchte, kalte Nase von ihm im Gesicht und ein Schnurren sagt mir, dass da was auf mich zukommt. Während mein Kopf auf meinem angewinkelten Arm ruht, legt Katerchen seine Vorderpfötchen auf meinen Oberarm und wühlt mit seiner Nase erst mal zwischen meinem Hemdkragen herum, bevor er sich an mich drückt und zur Ruhe kommt. Das Schnurren lässt allmählich nach und wir zwei gönnen uns ein paar Ruheeinheiten.
Als ich wieder zu mir komme und mich ausstrecken will, ist Katerchen mit was ganz anderem beschäftigt. Mein in die Länge gestreckter Arm hat es ihm angetan. Irgendwie verwechselt er meine Extremitäten wohl mit einem Weibchen und klammert sich mit den Vorderpfötchen an meinem Arm fest. Eine Angewohnheit, die ich nicht in den Griff bekomme. Ich versuche das Kerlchen abzuschütteln, lege den Arm über die Kante der Couch nach außen und Katerchen macht einen Purzelbaum. Auf dem Rücken am Boden liegend, hält er sich nach wie vor mit beiden Pfoten an meinem Arm fest und miaut los als ob er sagen wollte: „Alter Spielverderber......!“ Erst als ich etwas energischer werde, räumt er motzend das Feld und putzt sich erst Mal ausgiebig.
Meinen Weg ins Bad um mich frisch zu machen, kennt er und er ist auch der erste, der, nachdem ich mich erhoben habe, an der Zimmertüre steht. Der Rest ist eingeübt – Türe auf und er läuft Richtung Badezimmer.
Anschließend lässt er nicht mehr von mir ab und begleitet mich auf Schritt und Tritt. Vom Bad in die Küche, und abwarten. Dem Alten ist nach Kaffee zumute und dem kleinen Kobold nach Leckerlis. Die bekommt er immer dann, wenn ich nachmittags Kaffee trinke. Das kennt er so und daran geht auch nix vorbei. Sollte es dann doch einmal etwas später werden – Katerchen hält dann nix mehr auf seinem Platz. Er geht zur Zimmertür und miaut leise vor sich hin, bis der Alte sich schließlich und endlich bequemt........
Es sind die kleinen Katzenstängelchen, die jeder Katzenhalter wohl kennt, die es ihm angetan haben. Aber auch nur die, die aus einem ganz bestimmten Discounter kommen. Da ist Katerchen ganz eigen und kompromisslos, während ich die Dinger doch auch 100 Meter weiter in meinem Einkaufszentrum bekommen würde.
Versteh´ einer die Katzen....................
Seine – Katerchens - Ungeduld ist sprichwörtlich – während ich mir kurz mal die Brille putze, motzt seine Hochwohlgeboren in der Gegend herum, weil alles nicht schnell genug geht. Endlich verfüttere ich ihm seine Leckerlis und er lässt es sich schmecken. Anschließend die Zeitung zur Hand genommen und Kaffeetrinken in entspannter Atmosphäre.
So lässt es sich doch genießen................... Katerchen hat es sich auf dem Tisch gemütlich gemacht und beobachtet mich und die Umgebung. Bis ich plötzlich ein Würgen höre – Alarmstufe Rot......!!!!!!! Das Kerlchen will sich erleichtern und ich, meine Zeitung und überhaupt............... In letzter Sekunde gelingt es mir, den verkrampften Körper von Katerchen auf den Boden zu bringen und der Rest – der Rest ist Geschichte.
Fortsetzung folgt...........
KommentareMonika W.08.03.2010 19:06
Sehr schön..........







