Tuck...tuck...tuck...tuck...
Im Thema: Hobby & Freizeit
von: Falkin Lilly
erstellt am: 12.09.2010

von: Falkin Lilly
erstellt am: 12.09.2010

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Ein Traktorentreffen auf dem Baiersröder Hof.
Tuck, tuck, tuck, tuck….so dröhnt es in meinen Ohren nach.Habe heute einen halben Tag auf der Staatsdomäne Baiersröderhof, bei wunderschönem Wetter, verbracht.
Hingelockt hat mich ein riesiges Event.
Das Traktorentreffen…der Bundesentscheid im Leistungspflügen…Vorführen der historischen Landtechnik, Traktorfahrt, Essen und Trinken und die Blasmusik..
Schon seit Wochen fiebert mein Liebster diesem Ereignis entgegen.
„Kennst du den Lanz…..den Lanz-Bulldog“, so fragte er vor einiger Zeit.
Ich musste mit dem Kopf schütteln. Erinnere mich nur, dass meine Mutter 1960 in Mannheim-Lindenhof im Heinrich-Lanz-Krankenhaus, meine Schwester geboren hat.
„Wenn du jemals den Lanz-Bulldog hörst, wirst du das Geräusch nie vergessen.“
Jetzt bin ich doch neugierig, will das jetzt auch mal hören und fahre hin.
Ein großes Gehöft, riesige Ackerflächen…von weitem schon die großen Fahnen, locken die Besucher an. Eingezäunte Flächen auf denen ca. 30 Teilnehmer mit ihren Traktoren versuchen, den Wettbewerb im Leistungspflügen zu gewinnen.
Etwas weiter sieht man auf den großen Flächen schon die ganzen Traktoren stehen….mindestens 100 Stück stehen da in Reih und Glied.
Irgendwo auf diesem riesigen Areal soll ich jetzt meinen Liebsten finden. Das scheint auf Anhieb ein unmögliches Unterfangen zu sein.
Aber dann sehe ich die auffallenden, schwarzen ,alten Ungetüme, mit den hervorstehenden Auspuffrohren auf der Motorhaube und dann höre ich das tuck..tuck…tuck…tuck…
Ich gehe auf die Traktoren zu, Lanz-Bulldog steht vorne drauf….ich bin am Ort des Geschehens.
„Ich könnte stundenlang vor so einem Traktor stehen und ihm zuhören“. Dieser Satz meines Liebsten steigt aus dem Unterbewusstsein auf. Wenn ich ihn irgendwo und irgendwann in diesem Menschen und Maschinengetümmel finden sollte, dann nur hier.
Und da steht er….ganz vertieft im Anblick dieser Oldtimer.
Seine Überraschung und Freude ist überwältigend, als er mich da so sieht. Die Arbeitskollegen, mit denen er verabredet war, sind nicht gekommen und so verbringe ich jetzt den halben Tag an seiner Seite und lerne den Lanz-Bulldog kennen.
Fünf dieser Traktoren stehen nebeneinander. Der erste wird von einem ca. 12 jährigem Jungen bedient und ich schaue ganz interessiert zu, wie er versucht, den Traktor zum Laufen zu bringen.
Da brennt ein kleines Feuer. Das Gerät, aus dem die Flamme züngelt, ist der Lötkolben, werde ich aufgeklärt. Er muss vorne in den Glühkopf eingeführt werden und diesen aufheizen. Jetzt verstehe ich auch das Schild, das vor diesen Traktoren steht: Anheizen um 13.00Uhr. Wir sind also gerade pünktlich dazu gekommen, als es ums Anheizen geht. Ich merke schon, es wird eine komplizierte Sache.
Zwischendurch fasst der Junge immer wieder an den Glühkopf, testet wohl so die Hitze.
Dann steigt er in das Führerhaus und schraubt das Lenkrad ab.
„Was soll das denn jetzt werden“, geht es mir durch den Kopf.
An der Seite der Motorhaube ist eine runde Öffnung, da passt das Ende des Lenkrades hinein.
Da noch ein Handgriff, dort noch einer, mir erschließt sich der Sinn der ganzen Handlungen noch nicht. Und dann dreht das Kerlchen, mit seiner ganzen Kraft, gegen den Uhrzeiger ,das Lenkrad. Und dann: tuck, tuck, tuck, tuck….mit schwarzen Rauchschwaden aus dem Auspuffrohr ist der Traktor angelassen. Der kleine Junge wird beklatscht….ist wohl schon eine Leistung, so ein Ungetüm zum Laufen zu bringen.
Das Lenkrad wird wieder herausgezogen und im Führerhaus angebracht. Die Lötlampe aus dem Glühkolben gezogen und in einem Stauraum untergebracht.
Tuck,tuck,tuck, im Gleichklang tuckern die Motoren. Mittlerweile sind auch die anderen Traktoren von ihren Besitzern angeworfen worden.
Zwischendurch mal ins Führerhaus klettern, am Gaszug gedrückt, damit es schneller und lauter tuckert und die Rauchschwaden wieder dunkel aus dem Auspuffrohr entweichen.
Bin ganz hin und weg von dieser Vorführung.
Irgendwann laufen wir durch die ganzen Reihen der anderen Traktoren. Was für eine Vielfalt von Herstellern. Fendt, Hanomag, McCormick, Porsche, Deutz, Eicher, Unimog.
Ja, sogar Porsche hat eine gewisse Zeit Traktoren hergestellt. Unterscheiden sich absolut im Äußeren, die Motorhaube ist geschwungen und die Farbe wohl meistens rot.
Schauen uns die Vorstellungen an, wie mit Hilfe der Traktoren und riesigen Bandsystemen die Dreschmaschine und die Holzsägemaschine zum Einsatz kamen.
Irgendwann bekomme ich Hunger und Durst. Natürlich ist dort auch fürs leibliche Wohl gesorgt. In der Weitläufigkeit des Gehöfts mit seinen Innenhöfen und Scheunen gibt es Möglichkeit zum Ausruhen und Hinsetzen. Apfelholundersecco, Bratwurst, Kaffee und Kuchen stärken uns und für die Ohren lauschen wir dem Nidderauer Blasorchester.
Schnell geht so ein Nachmittag vorbei. Dann noch gemütlich auf den Planwagen steigen und uns vom Traktor durch die Gemarkung von Ostheim und Hammersbach tuckern lassen. Der Wind spielt mit den Haaren und in den Ohren liegt das tuck, tuck, tuck, tuck.
Mittlerweile bin ich längst zu Hause, während sich im Westen ein Gewitter zusammenbraut.
Tuk,tuk,tuk,tuk,tuk…in meinen Ohren wird das Geräusch des Lanz-Bulldog wohl unvergessen bleiben.
Marlies




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