Unser neue Nachbar
Im Thema: Freunde
von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 21.02.2011

von: Rolf Pfahlmann
erstellt am: 21.02.2011

13 Bewertungen: (ø 4.4)
221 mal gelesen
Der neue Nachbar war kaum eingezogen, da gab es schon Krach. Obwohl ich den Eindruck hatte, ihm keinen Anlaß dazu gegeben zu haben, fand er ständig neue Kritikpunkte.
Einmal war unser Komposthaufen zu nahe an der Grundstücksgrenze, dann störten ihn die Bienenstöcke meines Vaters...
Schließlich schaltete er sogar den Bürgermeister und das Ordnungsamt ein und drohte mir mit dem Gericht. Zu allem versuchte er, mich vor den anderen Nachbarn lächerlich zu machen. Eines Abends ertappte ich ihn, wie er sich in meiner Garage an meinem Auto zu schaffen machte. Er habe seine schwarze Katze gesucht, gab er vor.
Ich und auch wir alle in unserem Hause waren ziemlich fertig, dass muss ich zugeben, und wir hielten Familienrat. Wir alle waren sehr aufgebracht. Er schien uns jemand zu sein, der ohne Streit nicht leben kann. Aber was tun?
Der beste Vorschlag kam von meiner ältesten Tochter: Wir sollten einen Versuch machen und ohne Vorwürfe oder Schuldzuweisung die Versöhnung mit dem Nachbarn suchen. Und ich sollte das machen. O je, das schmeckte mir gar nicht. Schließlich hatte ich das meiste von ihm einstecken müssen. Aber so langsam wurde mir klar und so schwer es mir fiel: ich musste diesen Versuch zur Versöhnung machen.
So bat ich deshalb meinen Vater um ein Glas Honig von den besagten Bienenstöcken und ging damit zum Nachbarn, der gerade im Garten arbeitete. Zuerst wollte er den Honig nicht annehmen. Ich ließ jedoch nicht locker, aber im Laufe des sich ergebenden Gesprächs über den Gemüseanbau des Nachbarn für den eigenen Bedarf und anderer Dinge, die ihm am Herzen lagen, nahm er den Honig an.
Einige Tage später kam er zu mir in meinen Garten und fragte mich, ob ich ihm helfen könnte, seine Bäume zu beschneiden. Als wir dabei einen Moment Pause machten, lud er mich zu einem kleinen Imbiß in sein Haus ein. Dort fand auch unser schon begonnenes Gespräch seine Fortsetzung, und wir unterhielten uns lange über Gott und die Welt, und lernten uns auf diese Weise besser kennen...
Heute sind wir, sagen wir mal, gute Nachbarn geworden. Ich weiß, es klingt fast wie ein Märchen, aber es ist tatsächlich so passiert.
Ich habe dann noch lange darüber nachgedacht, wie so was zustande kommt. Vielleicht muss man wirklichlich in einer festgefahrenen Situation mal davon absehen, ob man im Recht ist oder nicht, und auf den anderen zugehen, um ihm zu signalisieren, dass man ihn eigentlich ohne Vorbehalt akzeptiert und wertschätzt...
KommentareKannst stolz auf den Rat Deiner Tochter sein. Ein kluges Mädchen.
Ein Märchen ist es nicht, sondern einfach nur, daß was entstehen kann, wenn Menschen ein Kriegsbeil auch Mal begraben, anstatt Ihre Messer zu wetzen.
So fließt Honig anstatt Blut am Ende.. :D









manche können leider nur mit streit kontakt aufnehmen