Virtuelle Machtspielchen
Im Thema: Internet
von: Ariane Darling
erstellt am: 26.11.2010

von: Ariane Darling
erstellt am: 26.11.2010

17 Bewertungen: (ø 4.3)
310 mal gelesen
In Internet-Communities trifft man immer wieder auf Streitlustige, Kampfhähne aller Art, die offenbar Freude an virtuellen Machtspielchen haben.
Insbesondere werden Menschen angegriffen, von denen sich andere vermeintlich zurecht oder auch aufgrund eines subjektiven Eindrucks provoziert fühlen.Was macht Unbekannte nun eigentlich so interessant für andere?
Es gibt Menschen, die auf Anhieb mehr Aufmerksamkeit erregen als andere – auf positive und negative Art und Weise.
Wenn Menschen sich provoziert fühlen, reagieren sie je nach Temperament und momentaner Stimmung unterschiedlich – und je nach Gefühlslage und aufgrund ihrer jeweiligen individuellen Persönlichkeit und Vorgeschichte sehr verschieden.
Wenn wir nun – wie hier im Silbernetz - von einem Menschen nur wenig wissen, nur das, was er selbst bereit ist, von sich Preis zu geben, erhalten wir beiderseits kein wirklich objektives oder gar reales Bild.
Durch seine Artikel, Fragen, Kommentare, zeigt ein Mensch ein Stück weit „Gesicht“, zeigt wes Geistes Kind er ist. Wir lernen seine Standpunkte, seine Interessen kennen, Themen und Fragen, die ihn „umtreiben“, weil er sie bereitwillig - offen oder auch nur angedeutet und zwischen den Zeilen erkennbar - mitteilt.
Man kann davon ausgehen, dass Menschen, die dazu bereit sind, grundsätzlich ein Feedback wünschen, ein Interesse daran haben, sich mit anderen Menschen auszutauschen über
Fragestellungen, die ihnen selbst wichtig sind.
Warum nun fühlen sich Menschen von den Standpunkten, den persönlichen Erfahrungen,
den Fragen und Themen, die einen Unbekannten beschäftigen, provoziert?
Ja, sogar derart, dass sie ihn kritisieren, angreifen wollen und das durchaus nicht immer sachlich und die Form des mitmenschlichen Umgangs respektierend.
Manche geraten derart in Wut, dass sie nur noch darauf aus sind, den Unbekannten persönlich treffen zu wollen und öffentlich zu „demontieren“ suchen.
Und plötzlich wird der bis dahin Unbekannte so interessant, dass man mehr über ihn erfahren möchte. Was macht er beruflich, in welcher Lebenssituation befindet er sich, wie alt ist er?
Gibt es vielleicht sogar in seinem Leben „dunkle“ oder wunde Punkte, über die man ihn
attackieren, bloß stellen und lächerlich machen könnte?
Statt nun vielleicht den Autor, der einen interessiert, über den man sich ärgert, von dem man sich provoziert fühlt, direkt anzuschreiben und ihm Fragen nach seinem Leben zu stellen, beginnt man, ihn in aller Öffentlichkeit mit den eigenen Vorurteilen, Vermutungen, ja, sogar „Nachforschungen“ zu konfrontieren.
Was wird damit bezweckt? Will man den Unbekannten aus der Reserve locken, ihn nun seinerseits provozieren, die Fassung, das Gesicht zu verlieren?
Warum haben manche Menschen Lust auf Streitigkeiten mit Fremden?
Weil sie sich hinter der Anonymität sicher fühlen, endlich auch einmal austeilen zu können?
Warum hat jemand das Bedürfnis, einen anderen Menschen lächerlich machen zu wollen,
ihn zu kränken, zu verletzen? Aus Wut und Enttäuschung über das eigene Leben? Weil er selbst so viele schmerzvolle Kränkungen in seinem Leben erfahren hat und nicht in der Lage war, dort auf sie angemessen zu reagieren, wo sie ihm widerfahren sind?
Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Krankheit, plötzlich vom Partner verlassen worden zu sein, sind schmerzhafte enttäuschende Erfahrungen, die jeder auf seine Weise zu verarbeiten sucht.
Nicht immer gelingt das auf gute Art und Weise, d.h. ohne Nichtbetroffene mit seiner Wut, seinem Schmerz, seinen Enttäuschungen zu konfrontieren.
Wohl dem, der dann auf gute Freunde, Partner, Familie zurückgreifen kann, die ihn kennen und verstehen, ihn auffangen, trösten und ihm wieder neuen Mut zusprechen!
Übel wird es jedoch, wenn frustrierte, unglückliche Menschen ihre ganz Wut an Unbeteiligten auslassen müssen, ihre enttäuschten Gefühle, ihre negativen Erfahrungen auf Unbekannte projizieren und meinen den Fremden „erkannt“ zu haben!
Da wird dann in dem provokanten Unbekannten der strenge, ungerechte Lehrer, die hartherzige, gefühllose Mutter, der arrogante, besserwisserische Vorgesetzte, der ignorante, unangreifbare Vater, der enttäuschende Partner bekämpft und manch einer sieht buchstäblich rot.
Zum Thema, das der Autor veröffentlicht hat, wird dann nicht mehr kommentiert.
Es entsteht eine Art „Kleinkrieg“ auf Nebenschauplätzen. Denn es finden sich zumeist noch andere „Kontrahenten“ ein, die mit ins „Horn“ blasen, um Partei zu ergreifen und ihrem
„Favoriten“ beizupflichten oder glauben, ihm beistehen zu müssen.
Die Diskussion läuft Gefahr, zunehmend außer Kontrolle zu geraten, wenn sich nicht ein „Mediator“ einfindet, der zu schlichten versteht oder die Kontrahenten sich müde gekämpft haben.
Was lernen wir daraus? Internet-Communities sind nur bedingt als Spiegelbild unserer Gesellschaft und des realen Lebens anzusehen. Denn es fehlen hier die persönliche Begegnung, das Miteinandersprechen und sich dabei von Angesicht zu Angesicht zu sehen, zu hören, zu spüren, zu erleben.
Niemand würde wohl im richtigen Leben einem Fremden begegnen und dabei wirklich alle
Höflichkeitsformen beiseite lassen wollen! Das gibt es wohl auch, ist aber eher selten.
Hier auf der Internetplattform scheint es wider besseren Wissens eher die Regel zu sein, sieht man auf die Kommentare und von Gehässigkeit triefenden Beiträge!
Warum ist das so, warum lässt manch einer sich von Fremden derart aus der Reserve locken, dass er so gut wie alle Anstandsregeln beiseite lässt und nur noch darauf aus, zurück zu schlagen, wenn auch nur virtuell und verbal?
Ich kann mir kaum vorstellen, dass das wirklich als positiv erlebt wird und sich derjenige hinterher wirklich besser fühlt!
Einige schreiben, dass sie hier sind, um Freude, Entspannung, Abwechslung und Spaß zu finden.
Aber welche Freude kann es bereiten, virtuelle Scharmützel auszufechten?
Mir persönlich macht das keinen Spaß, auch wenn ich mich manchmal provoziert fühle, auf Angriffe zu reagieren, mich aber hinterher weder gut, noch irgendwie als "siegreich" fühle.
In einer Community 50+ würde ich mir mehr Gelassenheit, Heiterkeit und Besonnenheit wünschen und nicht ständig das Gefühl, auf der Hut vor Attacken sein zu müssen!
Um mit Michael Jackson zu antworten, der nur 50 Jahre alt geworden ist:
"Let's make a better place for you and for me!"
KommentareFlavia Sp26.11.2010 21:53
SN a better place?
dass alle menschen sich so verhalten, wenn es keine regeln gibt..... wenn es keinen gibt, der dafür sorgt, dass die regeln eingehalten werden.
da hast du ariane, gesagt, ich wäre pessimistisch und würde nach wächter schreien, so ähnlich hast du dich ausgedrückt.
Einige werden irgendwo so schickaniert, wer weiß von wem, und wenn es nur böse Kindheitserlebnisse waren, das wird alles hier ausgelebt. Der sonst Chef ist will erniedrigt werden...usw. Wer nicht Chef ist will es einmal sein...
Internet-Communities sind Gott sei Dank nicht repräsentativ dafür, was in anderen Gemeinschaften funktioniert - und das ganz ohne Aufseher!
@Heidi, ich bin nach wie vor Optimistin und bisher noch immer gut damit gefahren!
dann erzähl mal von größeren ansammlungen von menschen, wo jeder machen darf was er will und wo es anders zugeht, als hier im sn
allerdings wäre ein "Aufseher" an manchen Stellen durchaus nützlich, immer dann, wenn der Zickenkrieg auszu brechen droht, Ronnie und Kutte ihre Sörmanöver starten und indiskrete Userinnen aus dem Nähkästchen zu plaudern beginnen.....
Was ist hier indiskret , wenn man ehrlich aufdeckt welche Spielchen hier laufen?
da war mein läppi schon defekt und wie kann eine neue, rr kennen
wessen geistes kind ist sie
Mit richtigen gesellschaftlichen oder sozialen Sanktionen wie im richtigen Leben ist nicht zu rechnen. man kann ungestraft die Sau rauslassen.








