Jetzt Mitglied werden: kostenlos registrieren
Wie funktioniert das Silbernetzwerk?
Bundeslandspecial Hamburg

Icon ARTIKEL
Kultur

Von Füllhörnern und holden Maids...


Im Thema: Kultur
von: Falkin Lilly
erstellt am: 12.09.2009

9 Bewertungen: (ø 4.1)
  • 1 |
  • 2 |
  • 3 |
  • 4 |
  • 5 |
242 mal gelesen


....ein Kurzbesuch auf dem Hayner Burgfest


Es ist Freitag.
Nachdem ich schon den ganzen Tag auf der Arbeit gerannt bin, Überstunden machen musste, mittlerweile auch mein Sohn bei mir ist, der bis Samstagnachmittag bleiben wird, gilt es, eine Verabredung einzuhalten.

18.15 Uhr an der alten Burg in Dreieichenhain, auch Hayner Burg genannt. Dort werde ich auf meine Freundin treffen, die uns das erste Mal auf ein Mittelalterspektakel mitnehmen wird.

Mein Sohn rollt mit den Augen, als er hört, wohin ich ihn mitnehmen werde. Muss ihm versprechen, dass wir das Fest verlassen, wenn es ihm nicht gefällt.

Angekommen in dem kleinen Ort, begegnen uns schon mittelalterlich gekleidete Menschen. Sie strömen alle in Richtung Burg.

Hier bezahlen wir keinen Eintritt, sondern Wegezoll. Mit 7 Talern sind wir dabei und dürfen die Burgbrücke passieren. Die Gewandeten zahlen weniger. Innerhalb und außerhalb der Burganlage empfangen uns lauter Zelte und kleine Buden. Dort bieten Händler, wie früher auf einem Markt, selbstgenähte Gewänder, Gewürze, Düfte, Schuhwerk, Leder, Geschmeide, Diademe, Blütenkränze , die das Haupt schmücken, an. Dort sind kleine Handwerksbetriebe, der Schmied, der Korbmacher, die Spinner. Auch Pfeil und Bogen und die Köcher werden hergestellt und man kann Schießunterricht im Bogenschießen nehmen.
Die meisten der mittelalterlich Gekleideten tragen an einem Ledergurt, an der Hüfte, ein Füllhorn. Jetzt weiß ich endlich, was es ist. Das hohle Horn eines Tieres (ich nehme mal an, von einem Rind), mal kleiner, mal größer, in den unterschiedlichsten Farben. Es wird gebraucht, um daraus zu trinken. Druidenbräu, Honigmet, Wein….all das wird hier in Hülle und Fülle angeboten und scheint erst wirklich gut aus diesem Trinkgefäß zu munden.

Hier werden wir auch mittelalterlich angesprochen und mein Sohn rollt mit den Augen.
Mama, ich glaube, ich bin im falschen Film. Das ist ja hier wie bei Herr der Ringe in Mittelerde. Fehlen nur noch die Oarks, die zwischen den Zelten hervorspringen.

Ja, es sind ganz schön wilde Kerle, die uns da begegnen. Ich habe die Assoziation von Robin Hood, Nottingham Forest und entsprungenen Wikingern. Und liege damit wohl richtig.

Als ich später im Internet google, erfahre ich, ich bin bei König Artus, der Anderwelt, den Kelten und Druiden.

Bei meiner Freundin meldet sich der Hunger. Ein Stand, dort wird mittelalterlich (aber doch mit Hilfe des Flaschengases) gefüllte Schafskäsfladen angeboten.
Die Zubereitung erinnert mich an die Crepesbackerei. Aus einem irdenen Topf wird mit Hilfe einer Schöpfkelle eine ziemlich gräuliche Masse auf die heiße Platte gegossen. Dann flach gestrichen, obenauf gewürzter Schafskäse gekrümelt. Dann wird einmal von rechts nach links und dann von links nach rechts zusammen geklappt. Fertig ist der heiße, rechteckige Fladen, der in der Serviette angeboten wird.
„ Holde Maid, lasst es euch gut munden .“
Wieder rollt mein Sohn mit den Augen. Mama, wie lange bleiben wir noch.

Na das kann ja heiter werden. Eigentlich wollen wir ja auch die Gruppen anschauen, die mittelalterliche Musik spielen. Die Gaukler, Feuerspucker…es gibt ein großes Rahmenprogramm. Und 7 Taler pro Nase sind ja auch nicht ohne.

Meine Freundin weiß, dass es auch einen Turnierplatz gibt und dort eine Falknerin, die mit ihren Falken und riesigen, irischen Wolfshunden auftritt. Sie will mir wenigstens die Tiere zeigen. Und so machen wir uns auf in Richtung Turnierplatz. Auch dort wieder ganz viele Händler und es ist auch eine Handleserin und eine Runendeuterin anwesend.
Beim Stockbrot kann mein Sohn nicht widerstehen. Also erst einmal für 3 Taler Stockbrot gekauft, das sehr herzhaft schmeckte. Einen halben Taler gibt es zurück, wenn wir den Stock wieder abgeben.

Am Rande des Hains (ein kleines Waldstück) steht das Zelt mit der Falknerin. Und da sitzen die Tiere, wunderschöne Falken und ein Adler. Im Wald selber, etwas auf einer Anhöhe, auf großen Matratzen, lagern die Wolfshunde und schauen ziemlich gelangweilt dem Treiben zu.

Die Falknerin, eine rotgewandete, hübsche Frau, nimmt nun jeden Falken einzeln auf ihren großen Lederhandschuh und trägt ihn ins Zelt. Es dämmert bereits und auch die Vögel brauchen ihre Ruhe und haben Schlafenszeit.
Bei der Falknerin steht eine Frau und redet mit ihr. Ich denke, na die Stimme kennst du doch. Und sofort ist auch ein Bild da. Ein Indianisches Powwow, vor einigen Wochen und sie saß auf ihrem gescheckten Pony und zeigte Bogenschießen aus dem Galopp heraus.

Mein Sohn meldet sich: „Mama, können wir nicht mal wieder in die Zukunft gehen, ich will heim.“

Heute ist sein Mamatag, als gilt sein Wille.
Wir schlendern noch an den restlichen Ständen vorbei und machen uns dann auf den Heimweg.

Zuhause meldet sich erneut sein Hunger. Und nun wird ganz futuristisch an den Kühlschrank gegangen. Die belegbare Pizza, die es bei Aldi und Lidl im Kühlregal gibt, wird herausgeholt. Der Backofen vorgeheizt, die Pizza belegt, in den Ofen geschoben.

Alle Wochenenden wieder, wenn mich meine Söhne besuchen, wird sich Pizza gewünscht. Das ist Kult, das ist Mamaessen, das ist Heimat , das ist Jetztwelt.

Aber nächstes Jahr, das habe ich mir geschworen, gehe ich mit meiner Freundin wieder in die Anderwelt und werde alle Facetten auskosten, zeitlos und ohne Begrenzung und dann will ich auch mal aus einem Füllhorn trinken.

Marlies
IconKommentare


Mitglieder LogIn
Mitglieder LogIn:


Passwort vergessen?
shop
hilfe
videogruss
Hansl der Adler, ElbigenalpJürgen Preisberg, HammNina Kochegura, MünchenDer  Teilnehmer, Pinneberg
Kleine morgentliche Meditation - Sich selber wieder schätzen lernen.Die Geierwally und ihre UmgebungDie Betreuungsagentur schafft eine bessere Alternative zum Pflegeheim: einfühlsam, kompetent, bezahlbar.In der Kita






hsnmedia GmbH - Werbe- und Internetagentur Hamburg