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Wenn plötzlich die Worte fehlen


Im Thema: Buch & Lesen
von: Conrad Lenz
erstellt am: 15.02.2010

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Leben mit dem Sprachverlust nach einem Schlaganfall

Karin Lohberg muss stets funktionsbereites Sprachrohr für ihren Mann Steffen sein, seit dieser vor zwanzig Jahren einen Schlaganfall erlitt. Sie ist müde vom zeitraubenden Kommunikationsalltag, der Ungeduld ihres Partners, dem gesellschaftlichen Ausschluss. Eine dreiwöchige Auszeit an der Nordsee bringt zunächst nicht die erhoffte Erholung. Was kann sie mit Mitte sechzig von ihrem Leben mit einem Aphasiker noch erwarten? Erst der attraktive, eloquente Georg reißt sie aus ihren Gedanken und weckt ihre Bedürfnisse nach intensiven Gesprächen, Theaterbesuchen und körperlicher Nähe.

Erika Pullwitt beschreibt in ihrem Roman den mühevollen Alltag mit einem sprachbehinderten Ehemann. Sie erzählt aber auch davon, wie eine lebenslustige Frau das Verliebtsein und ihre jahrelang zurückgestellten Wünsche wiederentdeckt. Die moralische Zwickmühle, das eigene Leben für die Betreuung des chronisch erkrankten Partners vernachlässigen zu müssen, wird in einer schnörkellosen Sprache auf unpathetische Weise thematisiert.
Ein gemeinsames Leben ist nicht leicht, wenn man Nähe kaum noch mit Worten zeigen kann. "Im Lande Gänseklein" macht deutlich, was Menschen antreibt, es trotzdem zu versuchen.

Erika Pullwitt: "Im Lande Gänseklein", Roman. edition ebersbach Oktober 2009. ISBN 978-3-86915-005-5


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